#VinzenzOnTour – Ein Kooperationsprojekt in den sozialen Medien von 30 Kulturinstitutionen und Museen aus ganz Deutschland

10. Juli 2017

Ich freue mich auf meinem Blog einen Gastkommentar des Kunsthistorikers, Kommunikationsberaters und Gestalters Adrian Siedentopf veröffentlichen zu können, der Vinzenz, dem Museumsmaskottchen des Holzknechtmuseum Ruhpolding, Leben eingehaucht hat. Mit viel Begeisterung und persönlichem Einsatz hat er den “kleinsten Museumspädagogen der Welt” auf eine weite Reise durch die Museumslandschaft geschickt: #VinzenzOnTour.
Tatsächlich ist es erstaunlich, mit welcher Verve diese Idee von den Kultureinrichtungen aufgegriffen und in durchaus sehr unterschiedliche Konzepte des Storytellings gesteckt wurde. Auch der nächste Kandidat hat (ohne Schützenhilfe von Adrian Siedentopf) bereits seine Koffer gepackt: Hanse-Kaufmann Hannes.

Playmobil in den Museen
Bunte Plastikfiguren von Playmobil bevölkern schon seit einigen Jahren Museen in ganz Deutschland. Große Gestalten der Vergangenheit wie Dürer oder Goethe werden in Form der 7,5 cm kleinen Plastikfiguren fassbarer, wecken Interesse und vermitteln Inhalte. Die Figur von Luther wurde im Lutherjahr mit über 750.000 verkauften Exemplaren zur erfolgreichsten Playmobil-Figur aller Zeiten. Historische Ereignisse oder Orte werden mit ganzen Heerscharen der Figuren nachgestellt, wie etwa im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. An Familientagen in Museen können Kind und Kegel mit den historisch recht genau nachempfundenen Spielfiguren und Objekten aus dem Sortiment von Playmobil nahezu alle Bereiche des Lebens aus jeder Epoche spielerisch erkunden, wie neulich im Ägyptischen Museum in München.

Auch im Holzknechtmuseum Ruhpolding trieb seit Anfang 2016 einer der Plastikkameraden sein freundliches Unwesen. Das Museum mit einem Frei­gelände von etwa 1,3 Hektar berichtet über die Geschichte der Holzgewinnung im Traunsteiner Land.

Auf einer Tagung der Bayerischen Museumsakademie Anfang 2016 traf ich Simon Hamper, den Museumsleiter des Holzknechtmuseums. Er erzählte von seinem Museum und von der Playmobilfigur Vinzenz, mit der er die Facebook-Seite des Museums bespielte. Das Museumsmaskottchen hatte er nach dem Schutzpatron der Holzfäller St. Vinzenz benannt.

Der kleinste Museumspädagoge der Welt #VinvenzonTour

Der kleinste Museumspädagoge der Welt #VinvenzonTour

Der kleinste Museumspädagoge der Welt auf Bildungsreise
Die Figur und die liebevolle Art der Darstellung auf der Facebook-Seite des Holzknechtmuseums ließen mich nicht mehr los und ich überlegte, was man sonst noch so alles mit Vinzenz anstellen könnte. Einige Zeit später hatte ich die Idee: Wie wäre es, wenn man Vinzenz als kleinsten Museumspädagogen der Welt auf Bildungsreise zu Museen schickte und diese Museen zusammen mit der Figur über ihre Exponate auf ihren Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter & Co. berichteten? Das Reisemotiv von #VinzenzOnTour stand in der Tradition der großen „analogen“ Heldenreisen, der Reiseromane, der Grand Tour, der Reisefilme aber auch der digitalen Reiseabenteuer im Internet, wie #MyRembrandt. Dem Museumsleiter vom Holzknechtmuseum gefiel die Idee und wir beide entwickelten das Konzept mit viel Freude weiter. Die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern stand uns beratend beim Feinschliff zur Seite.

Vinzenz on Tour
Heraus kam schließlich die große Museumsreise #VinzenzOnTour: Die Kuratoren der teil­nehmenden Museen erzählten auf ihren Social-Media-Kanälen Geschichten rund um ihre jeweiligen Exponate mit Vinzenz als Hauptdarsteller. Im Fokus stand dabei das Thema Holz. Über 1.000 Texte, Fotos und Videos aus allen Bereichen des Museumsbetriebs mit der Spielfigur Vinzenz wurden ins Netz gestellt. Wie bei einer klassischen Heldenreise meisterte der kleine Vinzenz manches Abenteuer auf seiner 6.400 km langen Museumsreise quer durch Deutschland. Mit der Methode des Digital Storytellings konnte mit viel Spaß jede Menge Wissen über die Social-Media-Kanäle vermittelt und Interesse am Thema Holz und den Sammlungen der teilnehmenden Museen geweckt werden. Auf Twitter und Facebook konnte man die Reiseerlebnisse von Vinzenz mit dem Hashtag #VinzenzOnTour finden, begleiten, kommentieren, dem kleinen Kerl Fragen stellen oder ihn sogar zu außerplanmäßigen Exkursionen einladen.

30 Kultureinrichtungen und weitere nichtmuseale Highlights
Die Aktion #VinzenzOnTour war ursprünglich mit 21 Kultur­institutionen und einer Laufzeit von Mitte Januar bis April 2017 geplant. Während dieser Zeit bewarben sich etwa 30 weitere Museen, so dass wir die Aktion bis Mitte Juni 2017 verlängerten. Fünf weitere Museen konnten wir für diese Zeit noch aufnehmen. Eine finanzielle Förderung des Landesverbandes Museumspädagogik Bayern e.V. und die Unterstützung der teilnehmenden Museen ermöglichte dies.
Um die Reise abwechslungsreicher und für eine große Zielgruppe interessant zu gestalten haben wir sie um einige nichtmuseale Highlights ergänzt. So durfte Vinzenz in München am Flying Fox über das Olympiagelände fliegen oder im Kletterpark Reit im Winkl den Wald in seinem Freizeitwert erleben. Er besuchte ein Violinkonzert und nahm an zwei außerplanmäßigen Exkursionen teil: Simon führte ihn durch das Haus des Deutschen Ostens und ich vermittelte eine Kooperation zwischen dem Museum Fünf Kontinente und der Care-for-Rare-Foundation in München. Die Stiftung unterstützt Kinder, die unter seltenen Krankheiten leiden und denen weder Schulmedizin noch Pharmaindustrie Heilmethoden bieten. Das Team vom Museum Fünf Kontinente arrangierte eine Einzelführung für die unter einer solchen Krankheit leidende, sechsjährige Emilia. Sie erlebte ihren allerersten Museumsbesuch begleitet von Vinzenz und konnte mit viele Freude das Museum erkunden.

Vinzenz und der Bildungsauftrag
#VinzenzOnTour steht im Sinne der Museumsdefinition der ICOM “A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.” Die für alle, weltweit zugängliche Social-Media-Aktion vermittelte Wissen mit Spaß und Freude. Die etwa 1.500 Posts mit den Abbildungen von Exponaten und kurzen erklärenden Texten erfüllten einen Teil des Bildungsauftrags mit zeitgemäßen Mitteln. Zusätzlich zu den „Wissensschnipseln“ in den Posts der Museen konnten die Follower der einzelnen Museen alle anderen an der Social-Media-Aktion teilnehmenden Museen kennenlernen. So erhielten sie einen Einblick in die fast unüberschaubar große und mannigfaltige Museumslandschaft Deutschlands. Neben dem Besuch der Homepages der teilnehmenden Museen, inspirierte Vinzenz  zu einem realen Museumsbesuch. Von den Museen wurde mir mitgeteilt, dass deren Follower-Zahlen durchwegs stark gestiegen sind und die Aktion für sie ein voller Erfolg in jeder Hinsicht gewesen ist. Das Holzknechtmuseum vermeldete einen deutlichen Anstieg der Besucher­zahlen und des Bekanntheitsgrades.

Vincenz-Reisekarte

Reisestationen von Vincenz

Ein kleiner Museumsschamane
Etwa 150 bis 200 Personen haben insgesamt bei #VinzenzOnTour mitgearbeitet. In den Museen kümmerten sich jeweils bis zu 6 Personen aus allen Museumsbereichen durchschnittlich drei Tage lang um den kleinen Gast. Besondere Freude bereitete mir der persönliche Kontakt mit den kreativen und interessanten Museumsleuten. Bisher habe ich viel positive und sehr herzliche Resonanz bekommen. Allen hat die Arbeit mit Vinzenz und der Einsatz der neuen Medien neben den erzielten Erfolgen großen Spaß bereitet. Vielleicht hat der eine oder andere durch die Augen des frechen Holzknechts sogar sein Museum neu sehen können? Dann wäre Vinzenz auch der kleinste Museumsschamane der Welt! ;-)

Facebook, Twitter und Instagram
Der Schwerpunkt von #VinzenzOnTour lag neben Facebook auf Twitter. Auf Instagram erstellte ich lediglich einen Account um Posts einsammeln zu können. Im letzten halben Jahr schrieb, teilte, likete und portierte ich alleine auf Twitter über 1.000 Posts. Gerne hätte ich alle großen Social-Media-Plattformen bespielt, doch das wäre vom Arbeitsaufwand nicht mehr zu bewältigen gewesen. Bis heute konnte ich für den im Januar neu erstellten Twitter-Account über 640 Follower gewinnen. Allein auf Twitter wurden etwa 1.500 Tweets mit dem Hashtag #VinzenzOnTour veröffentlicht. Mit einer Reichweite von etwa 1,5 Millionen Impressions rührte der kleine Vinzenz ordentlich die Werbetrommel für alle teilnehmenden Museen. Mit dem insgesamt sehr guten Ergebnis kann das Holzknechtmuseum als Newcomer im Social-Media-Bereich zufrieden sein. Hier zeigt sich, wie wichtig der Einsatz der mannigfaltigen Möglichkeiten des Internets insbesondere für kleinere Museen ist, die bisher mit den analogen Medien eine nur sehr kleine Zielgruppe erreichen konnten – über das Holzknechtmuseum wurde in den letzten Wochen von München bis Berlin viel gesprochen.

Wie geht es weiter?
Aufgrund der großen Nachfrage gibt es vielleicht im nächsten Jahr eine zweite Reise mit dem kleinsten Museumspädagogen der Welt. Und ich arbeite gerade an der Idee für die Gemeinschaftsausstellung „Holz macht Sachen!“, die an die Social-Media-Aktion anknüpfen soll und die Online-Aktion #VinzenzOnTour in den realen Museumsraum zurück­führen möchte. Diese Ausstellung zeigt die außerordentliche Bedeutung und Mannig­faltigkeit des Themas Holz für den Menschen und seine Umwelt. Die teilnehmenden Museen bei #VinzenzOnTour  können hier jeweils ein Exponat zum Thema Holz ausstellen. Aber auch weitere  Museen können sich gerne bewerben. Ein Museumsraum mit einer Ausstellungsfläche von 400 qm im Herzen von München wurde schon offiziell zugesagt. Zusagen von vielen Museen wurden gegeben. Jetzt geht es nur noch um die Finanzierung – ein interessantes Projekt für Sponsoren und Förderer. Auf jeden Fall wird Vinzenz als der kleinste Museums­pädagoge der Welt die Ausstellung wieder crossmedial begleiten!

Weitere Informationen zu #VinzenzOnTour:
Vinzenz bei Facebook: www.facebook.com/holzknechtmuseum
Vinzenz auf Twitter: https://twitter.com/VinzenzOnTour
Alle Posts von Vinzenz: www.storify.com/vinzenzontour
Projektseite: www.VinzenzOnTour.de
Museumsseite: www.holzknechtmuseum.com

Zur Person:
Adrian Siedentopf ist freiberuflicher Kunsthistoriker, Kommunikationsberater und Gestalter. Er arbeitet für Kunden aus Industrie und Dienstleistung, Kulturinstitutionen und Museen. Als zertifizierter Stiftungsmanager DSA ist er ehrenamtlich mit dem Aufbau mehrerer Stiftungen aus dem Kunstbereich beschäftigt. Kontakt: adrian@estcreativity.de



2 comments

Kommentar hinterlassen

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen