Drucken kommt von Drücken – mit Ekkeland Götze auf den Spuren von Rupprecht Geiger

16. März 2014

FotoDer erste Satz, mit dem Ekkeland Götze, den Workshop in seinem Atelier zum Siebdruck bei Rupprecht Geiger einleitet, ist auch der wichtigste: “Das Entscheidende bei Rupprecht ist auch der Gegenstand seiner Kunst: die Farbe”.
Da ist es wieder, dieses intensive und lebenspendende Rot, das einem sofort tief in die Seele zieht. Diese Farbe des Lebens, der Energie, der Macht, der Liebe und Wärme. Götze hat sie heute aus Originalpigmenten Rupprecht Geigers angerührt und wir dürfen sie nun fühlen, verstehen und gebrauchen. “Mit ihrer Fähigkeit zu stimulieren ist sie in machtvoller Funktion” hat Geiger einmal gesagt.

Im Atelier von Ekkeland Götze
Wir stehen im Münchner Atelier von Götze, selbst Maler und Konzeptkünstler, und viele Jahre Rupprecht Geigers Drucker. Er gibt eine kleine Einführung in Drucktechniken bzw. das druckgrafische Werk von Rupprecht Geiger und wird dabei von Sandra Westermeyer, Mitarbeiterin im Archiv Geiger, unterstützt. Die nächsten zwei Stunden führen sie uns in die Technik der Serigrafie und die Besonderheiten der Umsetzung durch Geiger und Götze ein. Wir werden selber Gelegenheit haben, mit den Pigmenten Geigers zu arbeiten und Bögen im Siebdruckverfahren bedrucken. Das Archiv Geiger eröffnet dieses Angebot regelmäßig in eigenen Workshops und erlaubt so vertiefende Einblicke in die technischen Spezifikationen der Geigerschen Oeuvres, – und eben auch Naherlebnisse mit den Farben des Künstlers. Impressionen und Inspirationen für Kopf und Herz.

Druckgrafik bei Rupprecht Geiger
Die Druckgrafik spielt im Werk von Rupprecht Geiger eine bedeutende Rolle. Geiger hat fast sein gesamtes Leben an und mit der Druckgrafik gearbeitet. Er hat um die 400 Editionen erarbeitet und einen engen Zusammenhang zwischen Malerei und Grafik gelegt. Tatsächlich sind heute die Werkverzeichnisse der Gemälde und Grafik nahezu gleich umfangreich.
Götze hat aus den Pigmenten Geigers eine druckbare Farbe entwickelt und diese so präpariert, dass sie die, vielfach in kleinen Skizzen entwickelten, Ideen des Künstlers verwirklichen kann. Er führt, mit sympatisch sächselndem Dialekt, die Herausforderung aus, leuchtende und große Pigmente überhaupt durch ein Drucksieb zu bekommen und dabei auch auf gesundheitsschädliche Bindemittel zu verzichten. “Bei mir is nischt drinne” sagt er und macht deutlich, dass er heute fast vier Stunden an der Farbe gerührt hat und diese nur kurze Zeit zu gebrauchen ist. Es geht um Konzentration und Präzision, nicht nur bei der Farbe, sondern auch bei der eigentlichen Umsetzung an der Maschine. Mit festen Druck und in einem 70 Grad Winkel muss mit dem Rakel die Farbe über das Sieb gezogen werden, damit auf dem darunter liegenden Papierbogen ein sauberer Durchdruck entsteht.  Die Teilnehmer des Workshop produzieren in eigenen Versuchen eine Menge Ausschuss, aber dann eben doch einige brauchbare Bögen, auf denen der heute projektierte Irisdruck, ein sauber abgemischter Farbverlauf aus fünf Rottönen, umgesetzt wird.
Immer wieder, wenn Götze den Begriff “Farbe” auf den Lippen führt, flammen seine Augen auf und die Leidenschaft ist zu ahnen, mit der die beiden Künstler an der perfekten Umsetzung einer Bildidee gearbeitet haben. Die von uns genutzten Farbtöne sind eine Verführung, offenbaren ein Kolorit, das den Sehnerv glühen lässt. Und es wird schnell verständlich, warum Geiger dazu aufforderte, Farbe, wie Licht, in die Reihen der Elemente einzustufen: Feuer, Wasser, Luft, Farbe, Licht und Erde. In diesen Pigmenten liegt intensives Leben.

Wir haben viel gelernt in diesem kleinen Workshop. Er sei allen Geigerfans, Rotfanatikern, Seelensuchern und Sonnendenkern, Farbenthusiasten, Begeisterungsfähigen und überhaupt jedem ans Herz gelegt!

Workshop bei Ekkeland Götze
Workshop bei Ekkeland Götze
Ekkeland Götze erklärt Drucktechniken
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