“München leuchtet” – Nachlese zur Tagung “aufbruch. museen und web 2.0″ und stARTcamp
1902 schickte Thomas Mann in seiner Novelle “Gladius Dei” seinen Protagonisten Hieronymus durch die Münchner Innenstadt: “München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgrünten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, schönen Junitages. Vogelgeschwätz und heimlicher Jubel über allen Gassen. Und auf Plätzen und Zeilen rollt, wallt und summt das unüberstürzte und amüsante Treiben der schönen und gemächlichen Stadt. Reisende aller Nationen kutschieren in den kleinen, langsamen Droschken umher, indem sie rechts und links in wahlloser Neugier an den Wänden der Häuser hinaufschauen, und steigen die Freitreppen der Museen hinan. (…)”. Im Schaufenster einer Kunstbuchhandlung entdeckte der schwermütige Jüngling die Reproduktion eines Gemäldes, das eine Madonna mit Kind in einer seiner Ansicht nach allzu freizügigen Manier zeigt: „Ein Weib zum Rasendwerden“.
