Vom Ausstellungsmacher zum Informationskurator
Früher war die Frage nach dem Berufsbild des Kurators leicht zu beantworten: “Ausstellungsmacher”.
Mit einem Blick auf die Leitsterne dieser Tätigkeit begann man dann gerne einen ausführlichen Bericht über den Schweizer Harald Szeemann (1933-2005) und seine Pionierarbeit für die documenta 5 (1972) und landete irgendwann bei Hans-Ulrich Obrist, den die ZEIT dann auch jüngst zum mächtigsten Mann des internationalen Kunstbetriebs erklärte.
Tatsächlich scheint der Kurator heute ein Trendberuf zu sein, – mit diffusen Konturen und inflationärer Verbreitung. Spannend ist aber auch eine Definition, wie sie der Mexikaner Cuauhtémoc Medina gibt: “Der Kurator sei eine Art Frankenstein‘sches Monster, ein zusammengeflicktes Konglomerat verschiedener Berufe, für die er in den meisten Fällen keinerlei professionelle Ausbildung besitzt: Kunstkritiker, Fundraiser, Kenner, Künstler, Händler, Kulturpolitiker, Museumsgestalter, Archivar, Impresario, Historiker, Aktivist, Theoretiker, Fan, Sekretär und Sparringspartner. Insofern sei der Kurator in seiner heutigen vielgestaltigen Ausprägung ein typisches Produkt der Postmoderne, eine multiple Persönlichkeit ohne stabile Identität, beispielhaft für die „Entprofessionalisierung“, für das Gegenteil des akademisch Erlernbaren.”
