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Der Blog von Christian Gries (cogries)

Aufbruch zum “Museum der Zukunft”: Tagung “Museen und Web 2.0″ und stARTcamp in München

Signal zum Aufbruch

“Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: »Wohin reitet der Herr?« »Ich weiß es nicht«, sagte ich, »nur weg von hier, nur weg von hier.”

Wie oft muss man, kann man, aufbrechen, bis man ans Ziel kommt? Kafka lässt seinen Protagonisten in der Parabel “Der Aufbruch” abrupt und plötzlich ins Unbekannte reisen. Als Zielort legt er das „Weg-von-hier“ fest. Zuversichtlich beginnt ein großes Wagnis, ein Lebensaufbruch, bei dem sich das Selbst erneuert.

Vom Entstehen einer neuen Kultur: Bloggen in den Geisteswissenschaften

“Wissenschaftler gefährden ihren Ruf, wenn sie in den Massenmedien auftreten” sagt der Medientheoretiker Norbert Bolz. Dieser Ratschlag dürfte, in seiner vollendeten Hilflosigkeit, eine Manifestation aus dem Elfenbeinturm markieren, die nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht nachvollziehbar ist. In jedem Fall bedeutet sie eine schöne Provokation, auf die bereits zahlreiche Entgegnungen folgten. Erwähnenswert scheinen mir Florian Freistetter auf den Science Blogs, der die “Dinge naturgemäß anders sieht und findet, es kann gar nicht genug Öffentlichkeitsarbeit und Medienpräsenz geben” und Wenke Bönisch, die “Öffentlichkeitsarbeit zur Pflicht für Wissenschaftler” erklärt. Treffend dann auch der Hinweis von Lilian Landes, die auf dem Blog von arthistoricum.net moniert, dass “die großen Förderorganisationen Mechanismen zur Bewertung dessen entwickeln (müssten), was ein Forscher im Netz leistet – außerhalb von Publikationsliste, Tagungsteilnahmen und Drittmittelacquise also (und meist zusätzlich zu diesen)“.
Tatsächlich ist in jüngster Zeit damit etwas Bewegung entstanden, der sich im März eine Tagung widmen wird:

„Im Kaffeelöffel spiegelt sich die Sonne“. Ein Beitrag zu den Geschichten der Dinge

The-Internet-of-Things-Infographic

The-Internet-of-Things-Infographic

Folgen wir der Prognose, so werden im Jahr 2020 zwischen 50 und 100 Billionen eindeutig identifizierbare physische Objekte mit dem Internet verbunden sein. Das Internet besteht also nicht nur aus menschlichen Teilnehmern (und den von Ihnen bereitgestellten Informationen), sondern auch aus Dingen. Für diese Feststellung hat sich der Begriff  ”Internet of Things” etabliert, der 1999 von dem englischen Technologie-Pionier Kevin Ashton eingeführt wurde. Das Internet der Dinge steht für eine Vision, in der das Internet in die reale Welt hinein verlängert wird und viele Alltagsgegenstände ein Teil des Internets werden. Dinge können dadurch mit Information versehen werden oder als physische Zugangspunkte zu Internetservices dienen, womit sich weitreichende und bis dato ungeahnte Möglichkeiten auftun” (zitiert nach: Friedemann Mattern, Christian Flörkemeier, Vom Internet der Computer zum Internet der Dinge). Aus der “Vision” und den “ungeahnten Möglichkeiten” ist längst Realität geworden. Diese wird dann immer wieder mal von euphorischen bis pessimistischen Prognosen gekontert, die den enormen Anstieg des Internettraffics zu markieren versuchen (á la: “Ende des Jahres 2011 generieren gerade einmal 20 typische Haushalte mehr Internet-Traffic, als das gesamt Web des Jahres 2008“).

Jahrbuch für Kulturpolitik 2011 Band 11 – Thema: Digitalisierung und Internet

Jahrbuch für Kulturpolitik 2011

Jahrbuch für Kulturpolitik 2011

Der 6. Kulturpolitische Bundeskongress zum Thema “netz macht kultur” – Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft im Frühjahr diesen Jahres (9. und 10. Juni 2011) war sicher eine der spannendsten Initiativen dieses Jahres.  Zu den Referenten in Berlin gehören u.a die Sozialwissenschaftler Gerhard Schulze und Geert Lovink, die Blogger Mercedes Bunz und Markus Beckedahl, MedienwissenschaftlerInnen wie Claudia Wegener und Karin Wenz, Kulturmanager wie Armin Klein und Tim Renner, Fachleute für Urheberrechtsfragen wie Jeanette Hofmann, Volker Grassmuck oder Oliver Castendy und mit Christoph Deeg und Christian Henner-Fehr Experten aus den Themenbereichen Web 2.0 und Crowdfunding. Ich selbst habe auf dem Kongress das Museumsportal München und die Wirksamkeit von Kulturportalen diskutieren können.