Carmen und ich.

15. Februar 2016
Nadia Steinhardt (Carmen) und Tianji Lin (Don José). Bildquelle: https://www.theaterakademie.de, © Thomas Dashuber

Nadia Steinhardt (Carmen) und Tianji Lin (Don José). Bildquelle: www.theaterakademie.de, © Thomas Dashuber

Alles ist anders. Die Oper beginnt mit dem Epilog. Carmens Tod, Carmen Assassinée.
Die Inszenierung an der Theaterakademie August Everding (Prinzregententheater München) markiert einen anderen Weg für einen nur zu vertrauten Sachverhalt. Bei “Carmen” haben wir alle feste Bilder und Melodien im Kopf. Die Theaterakademie aber sucht einen anderen Zugang. Die Inszenierung durch Christof Nels ist mehr als eine Oper, – sie ist ein Musik.Theater.Projekt.

Bizet und Mérimée
Ausgangspunkt ist eines der erfolgreichsten Werke der Opernliteratur: Carmen von Georges Bizet. In seiner Inszenierung verzichtet Christof Nels aber auf die folkloristische Carmen und erzählt anstelle eine Geschichte im Zwischenraum der Oper von Bizet und der grundlegenden Novelle von Prosper Mérimées (1803 – 1870). Das spannende: die Sprache der Novelle von Mérimée und die Komposition von Bizet sind nicht zwingend deckungsgleich, begegnen sich aber im Vortrag auf der Bühne.

Sehnsucht, Fremdheit, Leidenschaft und Gewalt
Im Fokus der Münchner Inszenierung steht entsprechend nicht der Blick auf eine “Femme fatale”, die zwischen Toreros, Soldaten und den Arbeitern einer Zigarettenfabrik wirre Liebeleien praktiziert, sondern die Frage nach dem Hintergründen und Handlungsmotiven der agierenden Personen. Eine Gruppe junger Sängerinnen und Sänger beleuchten Geschichte und Psyche der Figuren aus ihrer eigenen Auseinandersetzung mit dem Stoff heraus und nimmt das Publikum mit in ein grandioses akustisches und visuelles Erlebnis, in eine hochdramatische Welt voller Sehnsucht, Fremdheit, Leidenschaft und Gewalt.

Reduktion, Verdichtung und Konzentration
Auch akustisch geht die Inszenierung einen spannenden Weg: sämtliches musikalisches Material, das nach Bizets Tod eingefügt wurde, wird weggelassen (dazu gehört auch der Chor). Bizets mitreißende Musik wirkt in ihrer ursprünglichen Dringlichkeit, – und wird von den jungen Akteuren großartig umgesetzt. Das Bühnenbild von Thomas Goerge (dem man auf Twitter unter @ThomasGoerge ins Werk sehen kann) wächst über großformatige Lichtprojektionen von der Bühne ins Theater hinein.
Das Regieteam Christof Nel, Martina Jochem und Goerge arbeitet mit Carmen Assassinée bereits zum dritten Mal mit der Theaterakademie August Everding zusammen. Das Münchner Rundfunkorchester wird erstmalig von Karsten Januschke dirigiert, der sich an der Oper Frankfurt sowie durch zahlreiche Gastdirigate international einen Namen machen konnte.

Preview und Probenblick für digital aktives Publikum
Im Vorfeld hatte die Theaterakademie August Everding zu einem Probenbesuch nach dem Motto #carmenundich eingeladen. Eine ganze Reihe musik- und theateraffiner Blogger, Twitterer und Instagramer hatte sich eingefunden und die grandiose Gelegenheit zum Preview und dem Dialog mit den Akteuren, einem Rundgang im Prinzregententheater und Gespräch mit dem Präsidenten des Hauses genutzt. Wenn also immer wieder auch die Frage nach dem Sinn und Zweck von Socialmedia im Kontext des Theaters gestellt wird, – auch das ist eine Antwort, und sie ist zutiefst subjektiv: die einmalige Gelegenheit zum Austausch, zur Begegnung, zum intensiven und exklusiven Erlebnis. Danke dafür, liebe Theaterakademie!

Premiere der Carmen Assassinée im Prinzregententheater (München) ist am 18. Februar.
Wer die Inszenierung nur sehen und nicht live erleben möchte (oder kann) ist beim gleichzeitigen Live-Stream auf www.br-klassik.de herzlich willkommen.



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