“Zurbarán faciebat”: eine intensive Begegnung mit dem Barock in Düsseldorf

12. Dezember 2015
Francisco de Zurbarán, Der hl. Franziskus von Assisi, 1640, Öl auf Leinwand, 124,5 x 163,5 cm, Düsseldorf Museum Kunstpalast, © Stiftung Museum Kunstpalast , Foto: Horst Kolberg /ARTOTHEK

Francisco de Zurbarán, Der hl. Franziskus von Assisi, 1640, Öl auf Leinwand, 124,5 x 163,5 cm, Düsseldorf Museum Kunstpalast, © Stiftung Museum Kunstpalast , Foto: Horst Kolberg /ARTOTHEK

Eine Wiederentdeckung in Deutschland
Eigentlich ist es kaum zu glauben: die Ausstellung “ZURBARÁN. Meister der Details” im Museum Kunstpalast in Düsseldorf ist die erste Retrospektive des großen spanischen Barockmalers (1598-1664) in Deutschland. Zurbarán gilt neben Velázquez nicht nur als einer der bedeutendsten Vertreter des glanzvollen Goldenen Zeitalters in Spanien, er zählt auch zu den Großen der europäischen Malerei.

Stimmungsvolle Inszenierung
Wer durch die Ausstellung läuft, dem leuchten in wunderbar stimmungsvoller Inszenierung die verzückten und in tiefer Religiosität, glühender Askese oder mystischer Versenkung gefangenen Heiligen in die Seele. Da bei Zurbaràn die göttliche Verklärung aber immer auch tiefe Menschlichkeit bedeutete, sind die Werke nicht Ausdruck einer biederen und triefenden Religiosität, sondern authentische Bekenntnisse zu Gefühl und Erfüllung, – in einem raffinierten Spiel zwischen Entrückung und Wirklichkeit.

Francisco de Zurbarán, Der Gekreuzigte mit einem Maler, um 1655–1660, Öl auf Leinwand, 105 × 84 cm, Museo Nacional del Prado, Madrid, © Museo Nacional del Prado, Madrid

Francisco de Zurbarán, Der Gekreuzigte mit einem Maler, um 1655–1660, Öl auf Leinwand, 105 × 84 cm, Museo Nacional del Prado, Madrid, © Museo Nacional del Prado, Madrid

Der Meister der Falten und Stoffe
Zurbarán ist ein mystischer und metaphysischer Maler” schreibt Cees Nooteboom, “er ist ein Meister der Farbe Rot, (…) ein Meister der Falten und des Stoffe“. Er ist noch viel mehr. Er galt als Maler der Mönche, als Künstler für Künstler, – und bedeutete in beiden Fällen eine besondere Inspirationsquelle. Zwei korrespondierende Motive hat Zurbarán perfektioniert: den “Christus am Kreuz” und das “Lamm Gottes”. Alleine sieben Varianten des “Agnus Dei” sind uns heute bekannt, drei davon werden in der Ausstellung gezeigt. Tatsächlich ist das Lamm wohl eine Erfindung des Künstlers. Es zeigt die Passion als Stillleben. Im tief katholischen Spanien des 17.Jahrhunderts suchte Zurbarán nach einer eigenen Bildsprache, die jenseits der bekannten großen barocken Rauminszenierungen von Rubens oder Caravaggio funktionierte. Die gerne in betonter Schlichtheit inszenierten Motive eröffnen die Konzentration einer Bühne, machen die Kunst zum Schauspiel. Gleichzeitig werden die Werke damit zeitlos, haltbar und anwendbar auf die Gegenwart. Ich war bislang kein großer Fan des Barock, – aber an Zurbarán komme ich nicht vorbei, mehr noch: er nimmt mich gefangen.

Juan de Zurbarán, Birnen in Porzellanschale, um 1645, Öl auf Leinwand, 82,6 × 108,6 cm, The Art Institute of Chicago, Wirt D. Walker Fund, © The Art Institute of Chicago

Juan de Zurbarán, Birnen in Porzellanschale, um 1645, Öl auf Leinwand, 82,6 × 108,6 cm, The Art Institute of Chicago, Wirt D. Walker Fund, © The Art Institute of Chicago

Ein Werkschau von Vater und Sohn
Die im Museum versammelten 70 Werke laden zu einer Wiederentdeckung ein, die den großen Magier, den Meister des Details, in seiner ganzen Pracht feiert. Die Chance sollte man sich nicht entgehen lassen, da das Werk des Künstlers kaum in Deutschland zu finden ist (nur fünf Werke sind in deutschen Museen, darunter eine Grablegung der hl. Katharina in der Münchner Pinakothek). Die in Zusammenarbeit mit dem Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, organisierte und in Düsseldorf von Beat Wismer kuratierte Ausstellung präsentiert unter anderem Werke, die bislang noch nie oder nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Gezeigt werden auch acht Stillleben aus dem kleinen Oeuvre des in der väterlichen Werkstadt ausgebildeten Sohnes, Juan de Zurbarán (1620-1649).

Evelyn Hofer und Art & Fashion
Die Ausstellung wird von zwei Präsentationen flankiert: Die deutsch-amerikanische Fotografin Evelyn Hofer (1922-2009), jüngst auch zu sehen in einer großen Werkschau in der Villa Stuck, stellte sich in ihrer letzten zusammenhängenden Werkgruppe in den neunziger Jahren der Herausforderung von Zurbarans Stillleben. Vor tiefschwarzem Hintergrund inszenierte sie Früchte, Blumen und Krüge zu perfekt arrangierten „Kunst-Stücken“. Entstanden sind poetische Blicke voller Ruhe, die in perfekter Inszenierung, Ausleuchtung und Farbigkeit an die haptische Qualität des spanischen Malers erinnern.
Die unvergleichliche taktile und skulpturale Qualität der von Zurbarán dargestellten Gewänder hat auch einflussreiche Modedesigner wie Cristóbal Balenciaga inspiriert. Wie junge Designer heute auf den Künstler reagieren, zeigen angehende ModedesignerInnen der AMD Akademie Mode & Design Düsseldorf.

Fotogewinnspiel auf Facebook: #meistlericheDetails

Fotogewinnspiel auf Facebook: #meistlericheDetails

#meisterlicheDetails
Zurbaráns stille Andachts- und Altarbilder zeigen ihn als einen Meister der Detailgenauigkeit. Vor diesem Hintergrund hat das Museum Kunstpalast einen Fotowettbewerb (auf Facebook) ausgelobt, bei dem die Besucher im Hinsehen geschult und Fotos mit außergewöhnlichen Details einreichen können.

Dieser Beitrag ist im Kontext eines Bloggertreffens entstanden, den das Museum Kunstpalast gemeinsam mit dem NRW-Forum Düsseldorf am 11.12.15 initiiert und durchgeführt hat.

 

ZURBARÁN. Meister der Details
Sa, 10.10.2015 – So, 31.1.2016
Kunstmuseum Düsseldorf
http://www.smkp.de

flankierend:

Evelyn Hofer. Hommage à Zurbarán
Sa, 10.10.2015 – So, 31.1.2016

Art & Fashion – Zurbarán inspiriert junge Designer der Akademie Mode & Design
Sa, 10.10.2015 – So, 31.1.2016

 

 

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