Wilder Herbst – Socialmedia in Wien, Frankfurt und Karlsruhe

25. Oktober 2015
UNfassbar, aber man muss in Deutschland noch immer darauf hinweisen. Wer das Gegenteil behauptet kann gerne in alten Studien nachlesen: IMLS National Study on the Use of Libraries, Museums and the Internet, 2007

UNfassbar, aber man muss in Deutschland noch immer darauf hinweisen. Wer das Gegenteil behauptet kann gerne in alten Studien nachlesen: IMLS National Study on the Use of Libraries, Museums and the Internet, 2007

Es ist ein wilder Herbst. Die Tagungen und Aktionen sprießen. Wir sind auf der Suche nach “Digitalen Visionen” (Karlsruhe), wollen “Grenzen des Wachtums” ausloten (Stuttgart) und den “Zugang gestalten” (Hamburg). Und während die einen diskutieren und womöglich noch immer Walter Benjamin und die Frage nach der Aura bemühen (es gibt sie tatsächlich noch), planen die anderen bereits im großen Stil:

200 Jahre Städel – Feiern mit Netzzugang
In Frankfurt feiert das Städel weiter den 200 Geburtstag. Am 21.11. auch exklusiv mit der digitalen Community: vom Dach bis ins Archiv – bei einem Community-Abend lädt das Museum Instagramer, Twitterer und Blogger ein, das Städel für sich ganz alleine und aus neuen Perspektiven zu erleben. Beim ersten, alle Social Media Kanäle übergreifenden, Event fordert das Museum die eigenene digitale Community auf, unter dem Hashtag #200jahrestaedel zu twittern, instagramen, Fragen stellen, diskutieren, Blogtexte veröffentlichen und in einen Dialog mit dem Haus und der Jubiläumsausstellung „Dialog der Meisterwerke“ zu treten. Das Museum öffnet an diesem Abend ausschließlich für das digital aktive Publikum – und stellt es selbst vor die Wahl, was es sehen möchte und worüber es sprechen mag.

Social Highlight in Wien
Aber auch in Wien läßt man sich nicht lumpen. Dort lädt die Albertina ebenfalls zu einem digital-analogen Großevent: am 25. und 26. Oktober genießen die FollowerInnen des Museums freien Eintritt und “Social Highlights”: “FACEBOOK liefert das gesamte Programm, auf INSTAGRAM kann das eigene Schrei-Selfie à la Munch gepostet oder unsere Meisterwerke innerhalb eines Foto-&Video-Wettbewerbs zum Leben erweckt werden. Per TWITTER finden Führungen durch Edvard Munch statt, auf PINTEREST wiederum können TeilnehmerInnen gemeinsam eine Ausstellung ihrer Albertina-Lieblings-Werke kuratieren.” Wer mit Edvard Munch über “Liebe, Tod und Einsamkeit” sinnieren möchte, folgt dem Hashtag #AlbertinaTour auf Twitter (26.10. um 14.30 Uhr). Wer es lauter mag, schreit sich auf Instagram die Seele aus dem Leib (Hashtags: #AlbertinaSocialSpecial oder #AlbertinaMunch).

Tweetup in der Kuinsthalle Karlsruhe am 13.11.15

Tweetup in der Kuinsthalle Karlsruhe am 13.11.15

#Ichbinhier in der Kunsthalle Karlsruhe
In der Kunsthalle Karlsruhe präsentiert man mit der Ausstellung Ich bin hier! Von Rembrandt zum Selfie eine spannende Auswahl an künstlerischen Selbst-Bildern aus sechs Jahrhunderten in unterschiedlichen Medien. Die Ausstellung zeigt die frühe Selbstvergewisserung des Künstlers in der Renaissance, die fulminante Zurschaustellungen im Barock, die empfindsame Subjektivität in den Bildern der Romantik, die zunehmend schonungslose Sicht auf das Selbst in der Moderne, schließlich die obsessive Befragung des Ich in den jüngeren Medien Fotografie und Video. Flankiert wird die Ausstellung von einer großen Blogparade #selfierade und einem Tweetup am 13.11.15.

In jedem Fall drei spannende Initiativen, die aus dem Rahmen fallen und die es sicher lohnt, genauer zu verfolgen.
 



7 comments

  1. Lieber Christian,

    der Herbst ist ein sehr bunter Social Media Monat. Auch in Hamburg ist einiges los! Neue Formate wurden mit Erfolg getestet. Am 4. Oktober fand das 12. World Wide Instameet in Hamburg im Hafenmuseum statt (das Hafenmuseum ist eine Außenstelle des Museums der Arbeit). 120 Instagramer erkundeten die Veddel bei einem Walk und anschließend das Hafenmuseum. Unter dem Hashtag #wwim12hh entstanden über 800 grandiose Fotos. http://bit.ly/1LwocBw

    Da @gert_pauly, @bosch, @welovehh und die @historischemuseenhh bei Instagram und persönlich so viel positives Feedback bekommen haben, haben wir direkt einen Anschlusstermin festgelegt, um die Häuser der Historischen Museen Hamburg zu erkunden. Gestern fand das #openjenisch im wunderschönen Jenisch Haus statt. Damit haben wir ein völlig neues Format in der Kulturbranche ins Leben gerufen, zumindest ist es mir bislang nicht bekannt, dass ein anderes Museum in Deutschland den Versuch gewagt hat, einen Tag der öffenen Tür für Instagramer anzubieten. 60 Instagramer besuchten den repräsentativen Landsitz, der eine Außenstelle des Altonaer Museums ist. Einige von ihnen waren zuvor noch nie da. Bislang entstanden unter dem Hashtag #openjenisch 240 Fotos und ich bin mir sicher, dass in den nächsten Tagen noch so einige Bilder hinzu kommen werden. Die Veranstaltung hat richtig viel Spaß gemacht, die Community in Hamburg ist einfach super!

    Damit es in Zukunft nicht Langweilig wird, gehen wir am 5. und 6. November in die nächste Runde: Zugang gestalten! heißt die Konferenz, die in den vergangenen Jahren in Berlin statt fand und nun erstmalig in Hamburg ausgetragen wird. http://www.zugang-gestalten.de

    Bist Du eventuell auch dabei?

    Bei den Historischen Museen Hamburg ist momentan also einiges los!

    Liebe Grüße und hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder! Vielleicht in Hamburg…
    ;-)
    Wera

    1. Liebe Wera, ganz herzlichen Dank für Deinen Hinweis! Man möchte meinen, dass der Herbst frischen Wind in die digitale Kommunikation der Museen in Deutschland geblasen hat? Großartig Eure Aktion, die ich mit großem Vergnügen von extern verfolgt habe. Dazu könnte man noch eine weitere Veranstaltung nennen, die in Berlin im Oktober stattgefunden hat: #openbodemuseum. Auch da haben sich Instagramer außerhalb der Öffnungszeiten im Museum gefunden und spannende (fotografische) Dialoge mit dem Museum und den Exponaten geführt (alle Infos: http://blog.smb.museum/emptybodemuseum-instawalk-auf-der-museumsinsel/). Wir kennen solche Initiativen ja schon aus den USA (https://davekrugman.exposure.co/emptymet#!) und es ist toll, wenn diese Formate nun auch hier Eingang finden. Bei der “Zugang Gestalten” sehen wir uns, – herzliche Grüsse nach Hamburg!

  2. Lieber Christian,

    hab vielen Dank für Deinen Ausblick auf die kommenden Aktivitäten der Museen. Und lieben Dank an Wera für Ihre Ergänzungen zu unseren Hamburger Aktivitäten, in die ich auf die ein oder andere Weise eingebunden war und bin.

    Da Du das Thema #empty-Event ansprichst, Christian, das vielleicht als kleine Erläuterung zur Veranstaltung gestern im Jenisch Haus. Die Bewegung des #empty kommt aus Amerika und schwappte dann nach London über. In London finden fast wöchentlich #empty-Events statt (das kann man bei @londonlivingdoll sehr schön sehen, die fast überall dabei ist), in Museen und Galerien und wo man eben sonst noch schön fotografieren kann oder schwer hinkommt. Die Idee des #empty ist toll und die Geschichte hat etwas von “Nachts im Museum”. In Amerika und London sind die Museen meist sehr voll, man sieht kaum etwas und die Architektur lässt sich so schwerlich fotografieren. Daher kam wohl die Idee, ein paar Leuten exklusiv Zugang zu gewähren, damit nach Lust und Laune fotografiert werden kann.

    In Hamburg gab es im Sommer auch ein #empty in der Kunsthalle, an dem ich organisatorisch beteiligt war. Wir haben einige Influencer aus Berlin und aus dem Ruhrgebiet eingeladen. Wichtig war uns, dass ein Kunstbezug vorhanden ist. Und wir haben natürlich alle Instagrammer aus der Hamburger Community eingeladen. Insgesamt sind wir auf knapp 30 Teilnehmer gekommen. #empty bedeutet also: Es werden vornehmlich reichweitenstarke Instagrammer eingeladen, damit das Event sichtbar ist in den sozialen Medien usw. Der Haken an der Sache: Es werden meist die gleichen Leute eingeladen. Die Instagram-Szene ist inzwischen sehr stark professionalisiert, d.h. viele leben davon. Und diese Leute werden überall hin eingeladen, sei es auf eine Reise in die Alpen, nach Amerika, nach Afrika, auf eine Tour mit Mercedes Benz oder eben bei Bedarf in ein Museum. Das sorgt für Frustration bei den Leuten, die nicht das Glück hatten von Instagram “groß gemacht” zu werden, die aber sehr gern einmal auch an einer tollen Veranstaltung mit anderen Instagrammern teilnehmen würden. Deshalb dachten wir uns, machen wir ein #open daraus. Die Historischen Museen haben ins Jenisch Haus eingeladen, darum: #openjenisch. Während der normalen Öffnungszeiten kamen Instagrammer kostenlos ins Museum und konnten fotografieren. Im Anschluss gab es einen Instawalk mit André (@bosch) und mir durch den Jenisch Park hinüber zum Botanischen Garten. Es hat sich wiederholt, was wir schon bei unserem World Wide Instameet im Hafenmuseum Anfang Oktober erlebt hatten (#wwim12hh): Es kommen Leute mit vielen und wenigen Followern, die in ihrer Freizeit auch mal in ein Museum gehen, es kommen Kunstinteressierte, die gern fotografieren und es kommen Leute, die vielleicht noch gar keinen Instagram-Account haben, aber neugierig sind und einfach mal dabei sein wollen. Mit dem #open wollten wir weg von der Exklusivität und dem geschlossenen Kreis. Im Hafenmuseum hatten wir insgesamt 120 Teilnehmer, gestern im Jenisch Haus etwas über 60.

    In Hamburg wird in Zukunft sicherlich mehr passieren. Dank der Historischen Museen und Wera Wecker, die offen ist für Neues : )

    Derweil kann ich noch ergänzend hinzufügen, dass es ab Mitte Januar ein Selfie-Assignment mit This Ain’t Art School zur Ausstellung in der Kunsthalle in Karlsruhe geben wird. Das Tweet Up kann ich leider nur aus der Ferne verfolgen. Ich bin aber schon sehr gespannt auf Eure Tweets, Fotos, Snaps usw. Viele Freude Euch!

    Viele Grüße
    Anika

    1. Liebe Anika, auch Dir herzlichen Dank für die Ausführungen. Gerade das #open-Konzept ist sehr spannend und kann unseren Museen nur gut tun. Wir hatten ja vor ca. einem halben Jahr auch schon einen exklusiven (geladenen) Instawalk in der Pinakothek (initiiert durch die Allianz) und haben da eine ganze Reihe sehr schöner Motive erarbeitet. Womöglich zieht das visuelle Instagram ja noch mehr, als das in Deutschland noch immer ungeliebte und eben textlastige Twitter. Ich finde aber beide Plattformen für solche Formate im Museum sehr geeignet und freue mich auch besonders auf den #MunichInstaSwap der Kulturkonsorten (http://kulturkonsorten.de/allgemein/munichinstaswap-der-digitale-schulterblick-05-06-12-15) im Dezember, der hier im Süden ja auch wieder #Neuland markiert. Vielleicht brauchen wir nun langsam auch eine Übersicht auf solche Events, Angebote und Formate. Ist ja schon eine Vielzahl und man hat das kaum im Blick. Herzlichen Gruß!

  3. Lieber Christian,

    ja, das Instameet in den Pinakotheken ist mir nicht entgangen. Auf Instagram habe ich ja bereits verwiesen, als vor inzwischen einem Jahr eine Bloggerreise anstand, und zwar hier: http://www.artefakt-sz.net/kritik/wilde-maus-blogger-relations-in-deutschen-museen-ein-kommentar Nur haben das alle freundlich überlesen und sich in ihren Kommentaren auf etwas ganz anderes eingeschossen. Schon damals fragte ich mich, warum man nur eine handvoll Blogger einlädt, die in der Filterblase schwimmen und gar nicht die Reichweite haben können, wie ein – wenn auch nur mittelgroßer – Instagrammer, der sich für Kultur interessiert.

    Deshalb auch die Frage: Warum zu einem Tweet Up nicht ein paar Instagrammer einladen bzw. warum öffnet man nicht auch hier das Feld? Eine Selfie-Ausstellung ist doch perfekt geeignet für Bilder und damit für Instagram.

    Viele Grüße
    Anika

    1. Liebe Anika, im Grunde gibt der Tweetup ja nur noch den Namen für das Format, definiert aber nicht mehr die Plattform. Ich würde zu einem Tweetup immer möglichst quer planen und Blogger, Twitterer, Instagrammer, YouTuber etc. einladen. Je lebendiger und bunter der Haufen, desto spannender und vielseitiger die erzählten Geschichten. Ich meine, dass wir beim ersten Tweetup in Karlsruhe auch schon recht bunt besetzt waren und in alle Kanäle hinein gepostet haben. Idealerweise setzt sich das beim nächsten Mal ja fort. Auch der Instawalk zu Canaletto bei den Pinakotheken begann mit Fotos auf Instagramm und vollendete sich dann zum Ende bei einer Führung durch die Ausstellung mit Text, weil eben mehr geschrieben und getwittert als fotografiert wurde. Der Herbst ist bunt, und das ist gut so :-).

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