Instawalk mit Canaletto

15. Dezember 2014
Instawalk zu Canaletto in München

Instawalk zu Canaletto in München

Womit fängt man einen Beitrag über einen Instawalk zu Canaletto an? Mit einem Hinweis auf die Möglichkeiten von Google Street View im 18. Jahrhundert? Womit einen Beitrag zu der wunderbaren Ausstellung über Canaletto in der Alten Pinakothek? Mit einem Hinweis auf die “Sonne Venedigs, die in seinen Werken scheint” und für die in der Pinakothek eine grandiose Ausstellungsarchitektur gefunden wurde? Ganz anders: wir machen uns, wie Gustav Aschenbach, von der eigenen Wohnung auf einen Spaziergang in München.

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto
Bernardo Bellotto (1722-80), besser bekannt unter seinem Künstlernamen “Canaletto” verzaubert in seinen Werken durch ein Wechselspiel an faszinierender Präzision in der Darstellung von Architekturen, Stadtansichten, zeitgenössischem Leben und eben einer künstlerischen Freiheit, die ein betörendes Zusammenspiel von Licht und Atmosphäre produziert. Seine Vedutenmalereien waren schon im 18. Jahrhundert äußerst begehrt, insbesondere bei den den Reisenden in Venedig, die die Originale oder Reprodutkionen als Reiseandenken und Dokumente der eigenen Bildungsreise erwarben. Als Venedig wegen der Erbfolgekriege als Reiseziel an Attraktivität verlor, machte sich Bellotto auf in andere europäische Städte wie Rom, Florenz, Wien, Dresden, Warschau und kam 1761 auch nach München. Hier malte er für den Kurfürsten ein weites Panorama der Stadt und zwei Ansichten von Schloss Nymphenburg. Dank einer Restaurierung haben diese souverän ausgeführten Großformate ihre ursprüngliche Strahlkraft zurückgewonnen. Sie stehen im Zentrum der Ausstellung in der Alten Pinakothek, die gesamt über 65 Gemälden, Zeichnungen und Radierungen zeigt. Neben den bekannten Architekturen laden dort auch einfühlsame Landschaftsbilder dazu ein, das künstlerische Selbstverständnis Canalettos neu zu entdecken.

Canaletto als Meister der Manipulation
Canaletto offenbart sich in seinen Werken als Meister der Inszenierung und Manipulation. Um einen Bildvorteil zu erlagen verschob er in seinen Stadtansichten  Türme, Häuser oder Kirchen und inszenierte Fiuren und Szenen in seine Kompositionen hinein. Gleichzeitig nutzte er moderne Technik wie die Camera Obscura für seine Architekturfantasien. In Zeiten, als noch niemand seine Hausfassade verpixeln wollte (oder konnte) schuf er weitläufige Stadtprospekte und Panoramen. Einen ähnlich manipulativen Ansatz möchte man zuweilen den derzeit 300 Millionen Fotografen auf der populären Plattform Instagram unterstellen, die freche Kompisitionen wagen, über die Filterfunktionen die eigenen Fotos manipulieren und (fast wie Canaletto) für einen schnellen Output an “fertigen Werken” sorgen. Darunter übrigens auch eine ganze Menge zeitgenössicher Künstler.

Instawalk zu Canaletto
Die Kulturkonsorten hatten nun am 13.12.14, zusammen mit den Pinakothek, zu einem Instawalk aufgerufen und im Vorfeld Schablonen mit Figuren und Motiven nach Canaletto publiziert. Gut 15 Teilnehmer in München und eine kleine Truppe um die Herbergsmütter in Köln, sowie Beaobachter mindestens aus Dresden, Hamburg und dem Ausland machten sich in Folge auf den Weg um das Prinzip der “imaginären Erkundungsgänge“ Canalettos in die Gegenwart zu holen und mit Motiven aus dem Ouevre des Künstlers zu konfrontieren. In mehreren Gruppen streifte die Truppe durch die Stadtlanschaften an Isar, Rhein bzw. Elbe und schob den Canaletto vor Häuser, Menschen und Kirchen, Theater, Straßen, Flüsse und Schloßanlagen. Verifiziert wurden die Impressionen in der Nachfolge bei einem Tweetup in der Ausstellung, die der Kurator der Ausstellung, Dr. Andreas Schumacher, führte. Entstanden ist ein herrlich bunter Mix an Impressionen, den ich hier in einer kleinen Auswahl präsentiere. Mehr gibt es im Storify der Pinakothek oder via searchinstagram:

 



2 comments

  1. Hi Christian,

    ich lach mich scheckig: “zwei Doofe und ein Gedanke?” – Nein, Schmarrn – ich glaube, so zeitgleich haben wir beide noch nie über ein gemeinsam erlebtes Event gebloggt! Gut, dass ich nicht auch die Instawalk-Bilder in ein separates Storify gepackt habe, das hatte ich nämlich ursprünglich vor :-)

    Toll habt ihr das organisiert mit den Pinakotheken. Selten wurde ich so extrem gut auf ein Tweetup eingestimmt – dafür danke ich dir, den Pinakotheken und das Team der Kulturkonsorten – es war eine ganz feine Idee – bitte weiter so! Obwohl als alte Häsin dabei, gibt es bei Tweetups immer wieder Neues für mich zu entdecken, Emotionen und Adrenalin hoch zehn – merci! Bin gespannt, was ihr als nächstes ausbaldowert!

    Herzlich,
    Tanja

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