Apps im Museum: Staatliche Antikensammlungen München

16. Februar 2014

Ich habe nicht mehr viele Museumsapps auf meinem Handy. Die Anwendungen auf meinem Smartphone sind einer lebhaften Fluktuation ausgesetzt und werden zudem immer deutlicher von echten mobilen Webseiten abgelöst, die ich mir vor Ort auf den Display hole. Eine Ausnahme bilden Anwendungen, die von bevorzugten, meist lokalen und häufig besuchten Kultureinrichtungen angeboten werden und/oder die einen echten Mehrwert (in der Regel zuverlässige, tagesaktuelle Termine) bringen. Die App der Bayerischen Staatsoper etwa, die mich über aktuelle Vorstellungen und Besetzungen informiert. Oder Anwendungen, die explicit zum Stöbern einladen, wie die nun schon zahlreichen Apps der Bayerischen Staatsbibliothek.

Überraschungsapps
Und dann gibt es da noch die Überraschungen. Apps, die still und leise passieren. Die kaum einer kennt. Die offenbar gefunden und entdeckt werden sollen. Erstaunlich zuweilen, wie viel Aufwand in eine Entwicklung gesteckt wird, – und nichts mehr für die Kommunikation und Verbreitung eingeplant wird. Oder aber die Kommunikation wird ausschließlich über traditionelle Vertriebskanäle und die klassische Presse ausgelegt. Noch immer ist der digitale Raum offenbar in Bewusstsein und Wahrnehmung mancher Kultureinrichtungen nicht richtig angekommen.  Umso bedauerlicher bei Produkten, die digital zu beziehen sind und eine digitale Wahrnehmung und Wertigkeit haben. Umso notwendiger, wenn die agierenden Institutionen oder Themen bereits eine aktive digitale Community haben (die sie nur nicht kennen oder umsorgen). Umso erstaunlicher, wenn man mit dem Vertrieb dieser Anwendungen Geld verdienen könnte. Umso schmerzhafter, wenn die Anwendungen auch noch schön und hilfreich geworden sind.

Die App(s) der Staatlichen Antikensammlungen
Auf die App(s) der Staatlichen Antikensammlungen bin ich per Zufall gestoßen, bei einem Besuch im Museum. Vorher habe ich davon noch nichts gehört. Was eigentlich erstaunlich ist, denn Menschen wie ich müsste im Fokus der Ansprache stehen: Kulturaffin, digital und dann auch noch in einem der eigenen Lieblingsmuseen. Aber nein, die Antikensammlungen machen es spannend. Vielleicht sogar mit Absicht. Man muss die App, wie Schliemann sein Troja, schon entdecken und ausgraben: “(…) dass ich hier eine neue Welt für die Archäologie aufgedeckt, dass man bis jetzt noch nie oder nur höchst wenige solcher Sachen gefunden, (…), dass mir daher alles fremd und räthselhaft erschien, und ich somit oft Vermuthungen wagte, die ich bei reiflicher Ueberlegung wieder umwerfen musste, bis ich endlich zur gründlichen Einsicht gelangte und auf viele thatsächliche gegründete Schlüsse ziehen konnte” (Zitat: Schliemann).

Die Antikensammlungen haben Ende 2013 in Zusammenarbeit mit der Knowledge Intelligence AG, Köln und dem Dölling und Galitz Verlag, München/Hamburg  eine Museums-App und einen Mediaguide in deutscher und englischer Sprache realisiert. Es handelt sich also um zwei Anwendungen, die auch in eigenen Apps geladen oder auf Leihgeräten im Museum genutzt werden können:

Museums-App:
Die kleine und kostenlose App bietet Informationen rund um die Staatlichen Antikensammlungen und die Glyptothek: also zur Geschichte der beiden Häuser am Königsplatz und zu ihren Sammlungen, zu den laufenden Sonderausstellungen, aktuellen Führungsangeboten und sonstigen Terminen, sowie zu Öffnungszeiten, Eintrittskarten und übrigen Angeboten. Mehrfach verlinkt sie für aktuelle Informationen einfach auf die Homepage (die leider nicht responsive programmiert oder für einen mobilen Gebrauch optimiert wurde). Ein paar mehr Schnittstellen und der automatisierte Bezug von Daten aus der Website in das mobile Interface hätte gut getan. Ich bin mir nicht sicher, ob diese App in der aktuellen Erscheinungsform lange auf meinem Handy bleiben wird.
[blockquote]Kostenloser Download für Smartphones und Tablets aus den App-Stores von → Apple und → Google.[/blockquote]

Mediaguide-App:
Ganz anders der Mediaguide. Der ist für Genießer. Wer den fundierten und angenehmen vorgetragenen Erklärungen zum barberinischen Faun lauschen oder etwas mehr über die Ägineten erfahren möchte, findet hier mehrere Stunden Information und Inspiration. Die App soll dem Besucher die antiken Statuen und Reliefs mit Hilfe von Audios und Videos auf neue Art nahe bringen. Dabei werden drei Führungen durch die Glyptothek angeboten:

  • Highlights: Eine Auswahl von 13 Glanzstücken der Sammlung; Dauer ca. 70 Minuten.
  • Für Genießer: Informationen zu 90 Werken in individueller Auswahl; Gesamtdauer der Audios und Videos ca. 270 Minuten.
  • Vom griechischen Menschenbild: Führung zur Entwicklung der griechischen Skulptur vom 6. bis zum 1. Jh. v. Chr.; Dauer ca. 60 Minuten.

Die kurzweiligen und kundigen Ausführungen richten sich nicht nur an Erstbesucher, die manchmal nur eine Stunde Zeit haben, das Museum kennen zulernen, sie bieten auch dem großen Stammpublikum der Glyptothek bislang unbekannte Einblicke in die dortigen Kunstwerke. Ganz bewusst hat sich das Museum gegen eine einheitliche Standardführung entschieden und bietet lieber jedem Besucher die Gelegenheit, seine eigene Tour zu finden und Highlights oder Favoriten zu definieren. Der Guide verzichtet dabei auf Schnörkeleien und Gadgets. Es geht um die Objekte, die Geschichte der Sammlung und des Museums. Ein wenig Social Sharing (die Infos zur App können auf Twitter und Facebook geteilt werden) und ein cooler Trailer (der offenbar nur in der Anwendung publiziert werden darf?) runden den Mediaguide ab.
Dieser Guide bleibt mit Sicherheit auf meinem Handy und wird mir noch bei so manchen Museumsbesuch hilfreiche Informationen bringen. Ich empfehle ihn auch gerne weiter.
[blockquote]Download zum Preis von € 2,69 (für Smartphones und Tablets aus den App-Stores von → Apple und → Google). Die App gibt es auch für € 4,- auf Leihgeräten im Museum.[/blockquote]

Tip: die App vor dem Museumsbesuch kaufen! Mit 503 MB ist die Anwendung riesengroß und für den Download braucht es ein stabiles Netz. 

 

 



5 comments

  1. Lieber Christian,

    danke für den Bericht. Habe ich auch noch nichts von gehört. Werde ich mir mal runterladen. Eine Frage dazu habe ich. Eine Hörnummer scheint 3,13 Minuten lang zu sein, gemäß deines screen-Ausschnitts. Ist das der Schnitt und wie erging es dir vor Ort dabei? Stichwort: Muße. Interessiert mich in anderer Sache ;)

    Danke dir!

    Herzlich,
    Tanja

    1. Ich hab die Länge der einzelnen Beiträge jetzt nicht wirklich analysiert, aber ich glaube der Schnitt liegt sogar eher bei 4 Minuten. Es sind auch noch längere Beiträge dabei (bei denen dann auch weitere Bilder gezeigt werden). Ich persönlich komme damit gut zurecht. Da die Skulpturen ja schön umwandert werden können, bewegt man sich beim Hören auch im Raum. Zudem ist’s ein Wechsel zwischen Audio- und Videobeiträgen, die auch vertiefende Informationen vor Augen führen. Der Vortrag ist entspannt und mit wechselnden Sprechern. Und da ich nicht zu einer bestimmten Route gezwungen werde entscheide ich selbst, wann und wozu ich etwas hören möchte oder ich mich gerne in der Stille und Betrachtung finde. Gerade die “Muße” scheint mir hier gut gelungen.

  2. Wirklich schade, dass die (soziale) Vermarktung von solchen Innovationen leider oft nicht mit eingeplant oder dann vergessen wird! Die beschriebene App ist ja auch was für Zuhause, für Studenten und Schüler, etc.

  3. Pingback: Zeitspringer Blog

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