Das "Handwriting Project" – mit Hans Ulrich Obrist auf Instagram

1. August 2013
Hans Ulrich Obrist: Paul McCarthy We are what? #parkavenuearmory, Quelle:  http://instagram.com/p/ZQbkAgtlhP/

Hans Ulrich Obrist: Paul McCarthy, We are what? #parkavenuearmory, Quelle: http://instagram.com/p/ZQbkAgtlhP/

[tweetable]Kuratoren und Ausstellungsmacher können mit Socialmedia-Tools wie Instagram nichts anfangen, heißt es gerne[/tweetable]. Das Statement mag für Deutschland größtenteils zutreffen, – der global agierende Super-Kurator Hans Ulrich Obrist zeigt aber, dass es auch anders geht. Nicht zum ersten Mal beweist er sich als Pionier und Vordenker, auch in #Neuland.

Obrist auf Instagram
Hans Ulrich Obrist braucht man wohl kaum mehr vorzustellen. Das Magazin Art Review hat ihn einmal zur “number-one most influential person in the art world” ernannt. Auf Instagram stellt er sich als “co-director of exhibitions and programmes and director of international projects at the Serpentine Gallery, London” vor. Sein Account http://instagram.com/hansulrichobrist verzeichnet (Stand: August 2013) etwa 34.000 Fans und 311 Posts. Er folgt etwa 540 Usern, unter denen ich zahlreiche, ebenfalls über Instagram publizierende, Künstler und Kuratoren entdecke. Dabei zieht er nicht nur mit seinem eigenen Profil ins Social Web, sondern auch mit herausragenden Projekten wie 89plus (Instagram: http://instagram.com/89plus), das sich als langfristig geplante, intenationale Mapping-Plattform für die Generation nach 1989 versteht (der Instagram-Account flankiert dabei die eigentliche Website).

Das “Handwriting Project”
Über sein eigenes Instgramprofil treibt Obrist derzeit ein schönes Projekt voran, das sich der “Handschrift” widmet. Dabei publiziert er seit Dezember letzten Jahres in schneller Serie Abbildungen mit kurzen, handschriftlich verfassten, Statements von Künstlern, Schriftstellern und Architekten wie Marina Abramovic, Hanne Darboven, Olafur Eliasson, Ai Weiwei, Yoko Ono, John Baldessari oder Gilbert&George.  Bislang liegen ihm wohl über 250 dieser Notizen vor, die final auch in einem Buch veröffentlicht werden sollen. Die Publikation via Instagram versteht er dabei als „Celebration“ und Versuch, sich auf digitalem Weg dem vermeintlichen Verschwinden der echten Handschrift entgegen zu stellen.

Hans Ulrich Obrist: Olafur Eliasson Thinking + Doing = Thing Doing + Thinking = Creative Creative + Doing = Action Thing + Action = ART @olafureliasson, Quelle: http://instagram.com/p/b6BVSrNlqr/

Hans Ulrich Obrist: Olafur Eliasson Thinking + Doing = Thing Doing + Thinking = Creative Creative + Doing = Action Thing + Action = ART @olafureliasson, Quelle: http://instagram.com/p/b6BVSrNlqr/

Nachdem der Künstler Ryan Trecartin Instagram wohl eher beiläufig auf Obrists Handy installiert hatte, begann dieser mit dem Tool zu spielen: “Ryan said, you should be on Instagram and he installed it on my phone, so I had no choice, I had to start”. Wenig später erinnerte sich der Kurator an einen 2009 publizierten Aufsatz von Umberto Eco, in dem dieser das Verschwinden der Handschrift kritisiert hatte: „I remembered Umberto Eco saying we have to resist the disappearance of handwriting. Then it all came together and I thought maybe it’s great to use social media to bring back or celebrate the beauty of handwriting”.

Yoko Ono Future.Now 2013 @yokoonoofficial #expo1 #MoMAPS1 #klausbiesenbach, Quelle: http://instagram.com/p/Zq5llgNls-/

Yoko Ono Future.Now 2013 @yokoonoofficial #expo1 #MoMAPS1 #klausbiesenbach, Quelle: http://instagram.com/p/Zq5llgNls-/

Digitales Kuratieren
Für Obrist ist das digitale Kuratieren eine Erweiterung der praktischen und theoretischen Arbeit in der Galerie: “I see the handwriting project as an Instagram group exhibition which grows organically over time (…). It’s fascinating to read the comments. At the beginning, I had mostly art world followers but in the last three weeks many people from other worlds started to follow me which is exciting. I always believed that curating is about building bridges.” Fast beiläufig paraphrasiert Obrist damit ein früheres Statement, bei dem er sich über die Aufgaben eines Kurators äußerte: “(…) es (ist) nicht die Aufgabe des Kurators, eine eigene Handschrift zu entwickeln, sondern es ist seine Aufgabe zu vermitteln. Der Kurator ist ein Katalysator (…)”. Als Brückenbauer und Katalysator schleudert er nun faszinierende Statements und jede Menge authentischer Handschriften ins Web. Dabei agiert er professionell und überzeugend auch mit den Instrumenten des Web 2.0. Das funktioniert als Ergänzung oder Erweiterung der klassischen Arbeitsbereiche und nicht in Konkurrenz. Mehr davon!



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