Das digitale Museum als Plattform, Publisher und Broadcaster

3. Juli 2013
Pieter Christoffel Wonder, De Tijd, 1810 (Rijksmuseum), Quelle: http://bit.ly/14MR3Lj

Pieter Christoffel Wonder, De Tijd, 1810 (Rijksmuseum), Quelle: http://bit.ly/14MR3Lj

Wie nutzen Museen das Netz, um auch dort hochwertige Informations- und Begegnungsräume für Kultur zu schaffen? Nick Poole, CEO bei der englischen Organisation Collections Trust hat jüngst einen lesenswerten Artikel geschrieben der aufzeigt, wie es zunehmend mehr Museen (vornehmlich im englischen Sprachraum) gelingt, sich als Plattform, Publisher und Broadcaster zu etablieren und in das tägliche Leben des Publikums einzubringen.

Kulturelle Erfahrungsräume
Zielstellung der Informationsvermittlung eines Museums muß es nach Pooles Auffassung sein, “the basis of a rich, complex and interwoven cultural experience on the World Wide Web” zu schaffen: “(…) The rise of the Internet as a consumer proposition, followed closely by the social web and the use of handheld devices, has transformed the way museums think of themselves. Where once their primary aim was to give people the online equivalent of a brochure, today they are embracing a role as publishers and broadcasters of engaging, educational and authoritative digital content.(…)”

 

“Geschichten, Qualität und Quantität, Kompetenz und sorgfältig recherchierte Kontextualisierung”
Nach Auffassung Pooles haben es bereits viele Museen verstanden, ihre eigenen Werte “stories, uniqueness, breadth, authority and carefully-researched context” in Online-Informationen und -Strategien zu übersetzen und mit diesen einen Platz in den Herzen und Köpfen des Publikums zu erlangen. Ich denke, dass auch in Deutschland zunehmend mehr Institutionen die Notwendigkeit und die Konturen einer “digitalen Strategie” begreifen und davon Abstand nehmen, nur Basisinformationen und einen kleinen, illustrierenden Highlightspiegel ins Netz zu stellen. Vielfach entsteht dieses Denken wohl auch gezwungenermaßen, wenn die Institutionen Aufwand und Inhalte für die bespielten Plattformen (insbes. im Verhältnis von Website und Social Media) definieren bzw. gewichten, Budgets planen, Arbeitsstellen definieren und sich fragen, wer das alles eigentlich wann machen soll. Das Teilen von Informationen bedeutet dann eben auch nicht mehr “nur” das zusätzliche Bespielen von Facebook und Twitter, sondern das Nachdenken über Schnittstellen zu größeren Architekturen im regionalen, nationalen oder internationalen Kontext wie NRW Museenmuseum.digtal oder Europeana. Das “Neue Digitale” als die von Poole bezeichnete “consumer proposition”, fordert den Institutionen neue Rollen ab. Chris Dercon hat das “Museum der Zukunft” einmal als riesige Plattform, als Agora beschrieben. Inzwischen folgen doch immer mehr Institutionen einem solchen Bild und Häuser wie das Staedel oder das Haus der Kunst agieren im digitalen Raum crossmedial, dialogisch bzw. in Ansätzen partizipativ und interkulturell. Erfreulicherweise zunehmend auch mit Mut und Bereitschaft zum Experiment wie Matthias Schönebäumer (Deichtorhallen) jüngst im Sommertalk mit Sebastian Hartmann erklärte: “(…) Der ganze Bereich Digitale Netzkultur erlaubt ja gottseidank auch immer wieder Fehlschüsse, gerade weil es ein so unübersichtlich morphender Kosmos aus superschnellem Abchecken und Nicht-Wissen ist. Da sind dann auch mal Experimente möglich und man erfährt auch viel Toleranz, wenn mal was nach hinten losgeht. (…)”.
Poole geht dann noch einige Schritte weiter, markiert Positionen über offene Schnittstellen oder APIs wie sie etwa das Rijksmuseum umsetzt, und diskutiert zurecht Perspektiven einer langfristigen Auslieferung von Inhalten: “(…) But if the old problem facing museums and galleries was how to display everything in their collections, the new problem is how to scale up to deliver these rich content-based experiences across a huge range of platforms and devices. How can cultural organisations deliver wonder and inspiration across everything from a smartphone to a high-definition Internet TV? (…)”. Als Antwort empfiehlt er eine einfache Maxime: “Create Once, Publish Everywhere” (COPE) – wie sie Daniel Jacobson, heute Director of Engineering – API for Netflix, bereits 2009 in einem Blog-Post formulierte und in der Folge im ResearchSpace Projekt durch das British Museum umgesetzt wurde.

“Digital Content”
Über COPE kann mansicher diskutieren, – allein das Grundprinzip ist einfach: die Trennung der Contenterstellung von den spezifischen Aspekten einer nachhaltigen Auslieferung dieser Inhalte. Wenn Kuratoren und Experten (innerhalb und außerhalb der Institutionen) in der Lage sind, Content einfach zu produzieren, kontextualisieren bzw. annotieren und diesen unkompliziert an verschiedenste Plattformen auszuliefern, wird sich die Reichweite und damit auch der Wert dieser Informationen deutlich steigern. Die Museen haben hier die Chance eine wesentliche Rolle in der zunehmend digitalisierten Wissensgesellschaft einzunehmen. Diese sollten sie auch nutzen.



1 comment

  1. Auch wenn ich lieber live in die vielen schönen Museen Londons un der Welt gehe, muss
    ich schon zugeben, dass die Engländer in solchen Sachen sehr kreativ sind. man kann ja vom Internet
    halten was man will, aber so hat eine breite Masse Zugriff.
    Das einzige was mich stört ist, dass er von Konsum im Internet spricht, und Kunst sollte meiner Meinung nach
    nicht zu den Konsumgütern gehören…das ist etwas schade. Deshalb frage ich mich, ob die Idee aus den richtigen Motiven geboren wurde?!

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