"Download this work (and get creative)" im Rijksmuseum

4. Juni 2013
Rijksmuseum: Een vrolijke vioolspeler, Gerard van Honthorst, 1623

Rijksmuseum: Een vrolijke vioolspeler, Gerard van Honthorst, 1623

“Download this work (and get creative)” lautet das Angebot, das mir das Rijksmuseum auf seiner neuen Website nach der Wiedereröffnung macht. Eine selten gehörte Devise im musealen Kontext. Zumal das Bild auch gleich hochauflösend zur Verfügung gestellt wird.

Als alter Caravaggist habe ich mich für den Lautenspieler von Gerard van Honthorst entschieden, gemalt 1623. Mit wenigen Klicks ist er meinem persönlichen Onlineprofil im Museum zugewiesen und als Favorit markiert. Den Download bekomme ich mit 2032 x 2500 Pixel bei 300 dpi. Und dabei bleibt es nicht: über die Website kann ich dicht auf die Oberfläche des Objekts zoomen (das Niveau des Google Art Project wird freilich nicht erreicht), Ausschnitte setzen und gesondert abspeichern, vertiefende Informationen zum Kunstwerk abfragen und sogar eigene Tags zufügen.

Interaktion auf der Website des Rijksmuseum

Interaktion auf der Website des Rijksmuseum

40.000 neue Abbildungen im Jahr
Grundsätzlich sind Online-Bildergalerien im musealen Kontext keine Seltenheit mehr. Immer mehr Museen bieten auch online Einblicke in den eigenen Objektbestand. Dabei versteht man die Online-Abbildung der Sammlung aber vielfach nur als virtuellen Katalog z.B. der eigenen Highlights und nicht wirklich als qualifizierte bzw. nutzbare Datenbank. In Deutschland sind wir bei den angebotenen Abbildungen vielfach sogar nur kleine Thumbnails oder Aufnahmen in gerne zweifelhafter Qualität gewohnt. Urheberrechtsfragen, Abbildungsrechte, Einnahmepositionen aus dem Fotoverkauf, aber auch die Angst, “daß dann ja vermeintlich keiner mehr ins Museum kommt”, erscheinen beinah als Regel. Nur sehr vorsichtig nähert man sich Initiativen wie dem Google Art Project oder strukturiert nutzbaren Datenbanken. Offene Schnittstellen oder gar dokumentierte APIs (wie z.B. im Brooklyn Museum New York, am Victoria&Albert in London, Walters Art Museum in Baltimore und vielen anderen),  sind vielfach noch ein Fremdwort.
Ganz anders im Rijksmuseum: 125.000 Abbildungen zu Werken aus dem eigenen Bestand werden über das sog. Rijksstudio, einen interaktiven Bereich der eigenen Website, verfügbar gemacht. Zielstellung ist es pro Jahr weitere 40,000 Abbildungen verfügbar zu machen, bis die gesamte Sammlung mit einer Million Kunstwerke verfügbar ist. Mehr als 2.17 Millionen Besucher hatte das Rijksstudio seit dem Launch und um die 200.000 User haben Bilder wohl bislang heruntergeladen. Auf der jährlich stattfindenden Tagung “Museums and the Web” hat das Rijksstudio das eigene Konzept vorgetragen und mehrere Preise gewonnen: “(…) Rijksstudio invites members of the public to create their own masterpieces by downloading images of artworks or details of artworks in the collection and using them in a creative way. The ultra high-resolution images of works, both famous and less well-known, can be freely downloaded, zoomed in on, shared, added to personal ‘studios’, or manipulated copyright-free. (…)”. Und selbstverständlich hat das Museum auch eine offene API, über die übrigens jüngst auch erst diverse APPs zum Museum entwickelt wurden.

Museen müssen teilen lernen
Taco Dibbits, Kurator für das 17.Jahrhundert im Rijksmuseum und Direktor der Sammlungen, sagt dazu bemerkenswertes in einem Interview mit der New York Times: “(…) We’re a public institution, and so the art and objects we have are, in a way, everyone’s property (…). With the Internet, it’s so difficult to control your copyright or use of images that we decided we’d rather people use a very good high-resolution image of the ‘Milkmaid’ from the Rijksmuseum rather than using a very bad reproduction”. Das Rijksmuseum konnte weite Teile seiner Sammlung online stellen, weil das niederländische Urheberrecht das Museum entsprechend berechtete und die Schließung bzw. Renovierung des Museums in den vergangenen Jahren Zeit für die Digitalisierung bot. Gleichzeitig wurde das Digitalisierungsprojekt  mit Mitteln aus einem Lotto-Fond finanziell substituiert. Wesentlich scheint mir aber auch die Einsicht des Museums in die eigene Verantwortung und gewandelte Aufgaben für Bildungseinrichtungen im 21. Jahrhundert.
Auch Deborah Ziska, Sprecherin der National Gallery of Art in Washington, die ebenfalls bereits 25,000 Werke online verfügbar gemacht hat, bedeutet die Verfügbarkeit und Kontextualisierung als wesentliche Konturen der digitalen Vermittlung und Kommunikation eines Museums im 21. Jahrhundert: Basically, this is the wave of the future for museums in the age of digital communications (…) Sharing is what museums need to learn to do”. 



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