Digitale Bildwissenschaft

14. Juni 2013
Digitale Bildwissenschaft von Hubertus Kohle

Digitale Bildwissenschaft
von Hubertus Kohle

Das Digitale hat seinen Einzug in die Kulturwissenschaften gehalten. Aber was kann es zur Deutung von Bildern, gar von Kunstwerken beitragen? Hubertus Kohle, Professor für Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, versucht darauf eine Antwort. Wer ihn kennt, weiß, daß er seit Jahren bemüht ist, die Methoden der elektronischen Datenverabeitung in seinem Fach zu etablieren. Insbesondere die Methoden des Social Tagging stehen im Fokus seiner Ansätze und sind über Projekte wie ARTigo verifizierbar.

Digitale Bildwissenschaft
In seinem neuen Buch „Digitale Bildwissenschaft“ macht Kohle deutlich, dass man mit dem Computer nicht nur viel schneller wissenschaftliche Fragen abhandeln kann, sondern dass sich vor allem auch die Methodiken des Suchens, Analysierens, Publizierens und Bewertens ändern. Für klassische Geisteswissenschaftler sind solche Wandlungen mitunter nicht leicht zu verdauen. Wird eine digitale Bildgeschichte überhaupt noch Geschichtsschreibung sein? “Die Digital Humanities haben angefangen, ihre Funktion als Spielwiese für Nerds und als bibliografisches Serviceunternehmen abzustreifen und das Feld der Geisteswissenschaften durchgehend zu erweitern” schreibt Kohle in der Einleitung. “Sie verdrängen den (Buch-)druck als einziges Medium zur Wissensproduktion und -verbreitung und ergänzen ihn durch multimediale Konfigurationen”. Kohle definiert moderne Wissenschaft als offenen, auch crowdgesourcten, (Wissens-)Raum, der kooperativ erschlossen wird und eigentlich alles, was diese Offenheit einschränkt, als Gegner betrachtet. Dabei macht er traditionelle Verfahrensweisen nicht überflüssig, sondern bindet diese in ein übergeordnetes Paradigma ein. Grundsätzlich gehe es dabei um die Mission (nach Jeffrey Schnapp) “innovative scenarios for the future of knowledge creation and dissemination in the arts and humanities” zu kreieren.

Kohle schreibt keinen praktischen Führer zu relevanten Internetadressen und digitalen Verfahrensweisen (auch wenn das Buch diese trotzdem enthält), sondern intendiert “das Digitale aus einer humanistischen Perspektive in seiner methodischen Bedeutung anzusprechen und revolutionäre Perspektiven” zu markieren. Es geht ihm nicht um eine aparte Sonderzone, sondern Kernproblemstelllung, – wie Sie auch schon Jim Cuno thematisiert hat. Die (vor allem europäischen, besonders deutschsprachigen) Geisteswissenschaften tun sich schwer, sehr schwer, mit der Zulassung und Anwendung des Digitalen. Risiken werden zuweilen fast hysterisch markiert, Möglichkeiten und Chancen oftmals nicht einmal diskutiert. Nicht nur daher ein kluges und notwendiges Buch.

Hubertus Kohle
Juni 2013, Hardcover, 192 S., zahlr., meist farb. Abb.
Verlag Werner Hülsbusch
ISBN 978-3-86488-036-0, 16,80 € (D)
Das Buch ist bei Amazon auch in einer E-Book-Version (Kindle-Format) erhältlich.



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