Deutsche Museen im Google Art Project

2. April 2013
Artworks - Google Art Project

Artworks – Google Art Project: http://www.googleartproject.com

Seit Februar 2011 bietet das Google Art Project mit Hilfe von Street-View-Technologie Touren durch Museen weltweit an und hat, so Dr. Wieland Holfelder, Engineering Director und Leiter des Entwicklungszentrums Google München, dabei nicht weniger vor, “als das Erbe der Menschheit zu bewahren und zugänglich zu machen“.
Das Angebot ist nach wie vor komplett werbefrei und soll, so ein Blogeintrag bei Google selbst, jedermann die Möglichkeit geben große Kunst auch dann zu erleben, wenn man keine Gelegenheit zum echten Besuch hat. Gleichzeitig soll das Projekt die Museums-Surfer aber auch dazu animieren, eines Tages den Institutionen einen realen Besuch abzustatten.

214 Sammlungen hat Google derzeit zu verzeichnen, davon gerade einmal 19 Sammlungen aus Deutschland. Seit dem Launch des Projekts waren die Staatlichen Museen zu Berlin mit der Gemäldegalerie und der Alten Nationalgalerie dabei, bevor sie 2012 mit Pergamonmuseum, dem Alten Museum und Kupferstichkabinett nachzogen. Im gleichen Jahr folgten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die derzeit auch den umfangreichsten Museumsverband im Art Project stellen. Zu finden sind heute aber auch das Kunstmuseum Düsseldorf und ganz frisch, das Lehmbruck Museum aus Duisburg.

Der Kunstbestand im Art Project beziffert sich derzeit auf fast 40.000 Kunstwerke. Während Städte wie Berlin und Dresden mit vielen Highlights und zahlreichen Institutionen vertreten sind, fehlen andere wie München, Nürnberg oder Frankfurt komplett. Die Ursachen für diese Zustände liegen dabei wohl eher in strategischen Entscheidungen der einzelnen Häuser, als im Wollen und den Wünschen von Google. Tatsächlich fehlen auch noch international andere große Häuser wie der Louvre (für den aber bereits eine Seite vorgesehen ist und der schon seit Jahren in der Diskussion steht) oder Prado (dessen Highlights über Google Earth aber bereits virtuell erfahrbar sind), während Institutionen wie MoMA, Musée d’Orsay, National Gallery (London), Tate, Victoria & Albert, Rijksmuseum, Albertina und Kunsthistorisches Museum im Wien längst greifbar sind. Die Kultureinrichtungen sind sich in ihrer Bewertung von Googles Bemühen um eine “Artifical Intelligence” nicht einig. Eigene Digitalisierungsprojekte, eine falsche Beurteilung der Wertigkeit des digitalen Raumes oder das grundsätzliche Misstrauen gegen die vermeintliche “Datenkrake” stehen da wohl im Vordergrund. Dabei liegen wenigstens die Publicity-Vorteile des Google Art Project eigentlich seit Jahren auf der Hand.

Edouard Manet (1832 – 1883), “Im Wintergarten” (“Dans la serre”), Gemälde / Öl auf Leinwand (1879) © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Edouard Manet (1832 – 1883), “Im Wintergarten” (“Dans la serre”), Gemälde / Öl auf Leinwand (1879)
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Das Google Art Project
Das Art Project versteht sich als Partnerschaft zwischen Google und derzeit 151 “acclaimed art partners” aus über 40 Ländern. Basierend auf Technologien wie dem “Google Street View” ermöglicht das Unternehmen einen interaktiven Rundgang durch das jeweilige Museum (wie auch durch das eigene Rechenzentrum). Der User kann sich dabei virtuell durch die Ausstellungsräume bewegen, Kunstwerke auswählen, sie zum Teil detailgenau betrachten und vertiefende Informationen als Text, Video oder Audio beiholen. Gerade die Zoomfunktion bietet dabei dem Laien und dem Profi spannende Erlebnisse, da man die Oberfläche eines Gemäldes wie eine Landschaft “erwandern” und sich zum Teil bis ins Krakelee und auf die Leinwand hineinzoomen kann. Gerade mit solchen, durch den Nutzer steuerbare, Funktionen (spektakulär bei Manets “Wintergarten” in der Alten Nationalgalerie, Berlin) dürften Anwendungen wie das Art Project das eigentliche Kunsterlebnis im Museum spannend erweitern, da entsprechende Eindrücke vor Ort kaum möglich sind. Keine funktionsfähige Alarmanlage wird eine solche Nähe zum Original zulassen, vor kaum einem Pinselstrich wird man entsprechend in solcher Ruhe verweilen und die Magie der Farben und Pinselstriche studieren können. Und wer genau an dieser Stelle als Argument anführen wird, dass man dann ja nicht mehr ins Museum gehen muss um das Original zu erleben, der hat bis heute Walter Benjamin, die Aura eines Originals, die Aufgaben eines Museums und auch die Möglichkeiten (und Grenzen) der Digitalisierung und des Internets nicht begriffen.

Edouard Manet (1832 - 1883), "Im Wintergarten" ("Dans la serre"), Gemälde / Öl auf Leinwand (1879) © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Edouard Manet (1832 – 1883), “Im Wintergarten” (“Dans la serre”), Gemälde / Öl auf Leinwand (1879)
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Die im Art Project verfügbaren vertiefenden Informationen zum Werk Manets benennen so etwa die technischen Daten zum Werk, desse Provenienz und Credits, eine Bildbeschreibung und “Viewing Notes” über den Künstler. Zudem ist ein Video mit einem Gespräch zwischen Dr. Beth Harris und Dr. Steven Zucker aus der Reihe smartarthistoryvideos auf YouTube verfügbar, das in situ in der Nationalgalerie Berlin aufgenommen wurde. Flankiert wird das Video mit einer weiteren Produktion des französischen Canal Educatif, die es sich zum Ziel gesetzt haben, frei verfügbare, hochwertige Videos zu Themen aus der Kultur zu produzieren: “to offer online educational videos for free”. Das dritte Angebot verlinkt auf eine Videoproduktion der Staatlichen Museen Berlin, die ein Kurzportrait der Alten Nationalgalerie transportiert. Die letzte flankierende Information zeigt eine Google Maps Karte mit Blick auf Paris als Geburtsort und Sterbeort von Manet.

Detail zum Kunstwerk im Google Art Project

Detail zum Kunstwerk im Google Art Project

Das Google Cultural Institute
Das Art Project ist eine von zahlreichen Initiativen des 2010 gegründeten Google Cultural Institute, welches 2012 eine eigene Webplattform launchte und so etwa auch für die Animation von Versailles in 3 D oder das World Wonders Project verantwortlich zeichnet.

Das Google Cultural Institute: http://www.google.com/culturalinstitute

Das Google Cultural Institute: http://www.google.com/culturalinstitute

“Kunstwerke international bekannt und noch besser zugänglich machen”
Dirk Burkhardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, zeigte sich beim Eintritt der Dresdner Sammlung in das Google Art Project begeistert: „Das Projekt sehen wir als Chance, die Kunstwerke unserer Museen weltweit bekannter und noch besser zugänglich machen zu können. Dresden ist mit seinem Verbund aus Museen sogar der weltweit größte Partner des Google Art Project.” Carl Grouwet, kaufmännischer Direktor im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, verstand die Einblicke in die eigene Sammlung als „ideales neues Marketingtool“. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, betonte, “es gebe eine Verpflichtung, die Kunstwerke so breit wie irgendmöglich dem Publikum zugänglich zu machen, auch für Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, nach Berlin zu reisen“. Bei den Kupferstichen sei dies von besonderer Bedeutung, da diese Werke wegen ihrer hohen Lichtempfindlichkeit nur einzeln in einem Lesesaal angesehen werden könnten.

Copyright
Eine nicht ganz unbedeutende Frage bei der Vertragsgestaltung zwischen Google und seinen Partnern dürfte die Regelung zum Urheberrecht der genutzten Abbildungen sein. Dazu macht Google deutlich: “The high resolution imagery of artworks featured on the art project site are owned by the museums, and these images may be subject to copyright laws around the world. The Street View imagery is owned by Google. All of the imagery on this site is provided for the sole purpose of enabling you to use and enjoy the benefit of the art project site, in the manner permitted by Google’s Terms of Service. The normal Google Terms of Service apply to your use of the entire site”.
Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, stellt klar: „Wir behalten die Rechte an den Digitalisierungen, und sollte sich irgend wann einmal etwas ändern und Google (etwa unter neuer Unternehmensleitung) in ferner Zukunft seine Politik ändern und damit Geld machen, so haben wir eine Klausel in den Vertrag geschrieben, die uns ein außerordentliches Kündigungsrecht einräumt.“ Dazu kommt, dass private und nicht kommerzielle Nutzung der Digitalisierungen gestattet sein soll.

Deutsche Museen im Google Art Project:

Duisburg:

Berlin:

Dresden:

Düsseldorf:

 



9 comments

  1. Lieber Christian Gries,

    gute Alternativen zu zeigen finde ich wichtig. So kann’s auch gehen: http://www.nrw-museum.de

    Ich finde, so eine redaktionell betreute Lösung hat einen inhaltlichen Mehrwert, vor allem, um den Museumsbesuch selbst nicht obsolet werden zu lassen und auch um Kunstvermittlung nicht auf anschauen und statistische Grundlagen zu reduzieren. Der google-Weg ist für PR und Weiterverbreitung seinerseits technisch im Vorteil.

    Welchen Weg wählt der Kaiser? ;-)

    Es grüßt
    Friederike

    1. Liebe Friederike, ich mag die Museumsplattform NRW und finde, daß man dort auch sehr schön und inspiriert stöbern kann. Der inhaltliche Mehrwert einer redaktionell betreuten Seite ist auch sicher unbenommen und erweitert womöglich sogar die Informationen, die man im Museum realiter “mitnehmen” kann (an der Stelle hat das NRW-Portal sicher auch mehr zu bieten als die Rumpfinfos im Art Project). Dass ein Museumsbesuch aber jemals obsolet werden wird und durch einen virtuellen Besuch ersetzt werden kann halte ich für ein Märchen aus 1001 Nacht. Das Google Art Project bietet aber gerade mit den hochauflösenden Bildern eine Funktionalität (und Qualität), die selbst bei manchen museumseigenen Digitalisierungsprojekten kaum erreicht wird. Mein Wunsch wäre dann auch nicht ein “Wettkampf der Plattformen”, sondern eine Synergie der Angebote und gegenseitige Befruchtung. Wenn das Art Project vielleicht Player ausliefern würde, die man via embed code in die eigene Seite einbauen könnte, …

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