Wi-Fi im Museum

4. Dezember 2012

Nur eine Handvoll Museen bietet in Deutschland wohl freies WLAN oder Wi-Fi an. Ungeachtet der Tatsache, dass manche Häuser dicke Apps und mobile Websites entwickeln und damit gerade den ausländischen Besucher vor Ort zuweilen hohe Kosten zumuten (Stichwort: Roaminggebühren), ist das Thema in den meisten Kultureinrichtungen eben keines.

Ganz anders zum Beispiel in USA, oder eben auch Kanada: auch die National Gallery of Canada in Ottawa bietet neuerdings Wi-Fi und definiert die Maßnahme auch in einem ganzheitlichen strategischen Konzept zur Anregung und Intensivierung der Diskussion über Kunst: “We’re trying to get that conversation started on contemporary art” sagt Jonathan Shaughnessy, Associate Curator für zeitgenössische Kunst, – “We’re trying to drum up a conversation around what people are seeing in the show, and what they think in terms of contemporary art generally, in Canadian art.” Um die mangelhafte oder fehlende Netzanbindung in den eigenen Gemäuern zu kompensieren, wurden Router und Repeater aufgestellt. Die technische Aufrüstung wurde mit einer Twitterkampagne kombiniert, die bestimmte Hashtags nutzt, um die Meinungen des Publikums greifbar zu machen und abzubilden. Für die Besucher ohne Smartphone und Twitterzugang wurden vorbereitete Rechner aufgestellt. Direktor Marc Meyer führt weiter aus: “The whole point of it is about a direct experience between you and the work. Getting people in front of the work to have that experience, that’s our job, it’s trying to figure out how to let people know that this is a really wonderful alternative to the other stuff that you do.” Der Fokus der Nationalgallerie wurde auf Dialog ausgerichtet. Der Kurator Shaughenssy hat seinen eigenen Twitteraccount (@jonshaughn) und auch die anderen Kuratoren antworten auf Ansprache über einen eigenen Hashtag (#ngcbuilders) bzw. einen eigenen Account (@_conversations).

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Der Besucher als Kurator

Und dann sagt Marc Meyer etwas in dem Interview, was ich in Deutschland in dieser Präzision aus einem Museum noch nicht gehört habe: “The people who are on Pinterest, on Tumblr, on Twitter are curators. They’re filtering the world and they’re telling you what they think you should look at, what you should read, what you should watch, where you should go (…) I think it’s very appropriate for our museums to be on social media.”
In einem früheren Blogpost habe ich einmal versucht, das Publikum im “Museum der Zukunft” zu beschreiben: “Das gibt’s einzeln als Individuum und gehäuft in der Crowd. Und das nutzt neue Kulturtechnik für die Begegnung und Interaktion mit der Kultur. Es verlangt neue Muster der Partizipation und Kommunikation. Dabei dilletiert der Besucher ganz bewusst als „Nicht-Experte“, aber mit Leidenschaft und Engagement im Rahmen des „creative acts“ über Objekte und Themen. Er agiert auf der Plattform und über die Themen, die das Museum stellt oder initiiert. Er ist gleichermaßen Rezipient, wie er seine Impulse als Prosument an seine Community weitergibt”. In Kanada scheint das Museum der Zukunft schon in der Gegenwart angekommen zu sein. “We believe in the public and we believe in art and we believe the two should get together more often” heißt das dann in den Worten von Meyer.



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