"Hochkultur digital erfahren" – Tweetups in Museen. Ein Blick auf Deutschland.

14. November 2012

Swantje Karich hat in einem lesenswerten Artikel in der FAZ am 13.11.2012 Tweetups in Museen als “Hochkulturerfahrung” beschrieben. Der Bericht bringt nach meiner Einschätzung manches Argument auf den Punkt, – auch wenn ich selbst das “Gemeinschaftserlebnis Tweetup” nicht wirklich zwingend nur (!) als “überaus anspruchsvoll” bewerten würde. De facto geht es ja nicht nur um intellektuelle Befruchtung, sondern auch um Spaß, Begegnung und Austausch, – und, zumindest derzeit noch, für manches Museum um ein digitales “Erweckungserlebnis”: “Die Besucher aber kommen nicht und lauschen andächtig dem Vortrag, sondern sie halten ihre Telefone bereit, ihre iPads in den Händen, die sie wild betippen: Denn auch ihre Ansichten und Eindrücke sind gefragt. Was sie über die Bilder und die Ausstellung denken, was sie fühlen, was sie begeistert und ärgert, senden sie in die digitale Welt“.
Tatsächlich läuft derzeit eine Welle durch die bundesdeutsche Kulturlandschaft, die einen Tweetup nach dem anderen gebiert. Dem Münchner Impuls ist zunächst Frankfurt gefolgt, nun folgen Berlin und  Dresden. Zeit also, die verschiedenen Initiativen kurz vorzustellen:

Tweetups in München: #kukon

Tweetups in München: #kukon

München
Die Münchner Tweetups werden vom Netzwerk der “Kulturkonsorten” durchgeführt. Der erste Tweetup fand am 14. September 2011 im Deutschen Museum statt und markiert quasi das Initialdatum der offiziellen deutschen Museumstweetups. Seitdem haben die Münchner Netzwerker eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Haus der Kunst (mehrfach), Residenzmuseum, Bayerischen Nationalmuseum, Jüdischen Museum, Archiv Geiger und Stadtmuseum Penzberg durchgeführt. Dabei wurde auch mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten wie freien und geführten bzw. kooperativen Tweetups (mit KultUP und dem Krippenmuseum in Mindelheim) experimentiert. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv und mit Freude ist festzustellen, dass sich immer mehr Museen in Bayern den digitalen Initiativen öffnen. Der nächste Tweetup ist am 23.11. ab 18.30h im Jüdischen Museum München. Getwittert wird, je nach Beteiligung, auf Deutsch, Englisch und Französisch (besonders aus der Feder von Tanja Praske). Eine Besonderheit der Münchner Tweetups sind auch die Videobeiträge und -dokumentationen aus der Kamera von Harald Link.
Hashtag: #kukon
Website: www.kulturkonsorten.de
Twitterwall:  http://kukon.tweetwally.com/
Facebook:  http://www.facebook.com/Kulturkonsorten
YouTube: http://www.youtube.com/user/kulturvideos/featured

Tweetups in Frankfurt: #kultup

Tweetups in Frankfurt: #kultup

Frankfurt
Die Frankfurter Tweetups von Ulrike Schmid und Birgit Schmid-Hurtienne im Label “KultUP” zählen quasi ebenfalls zu den “Urformaten” dieses Veranstaltungstyps. Im März 2012 von Ulrike Schmid und Tanja Neumann gegründet, haben die KultUPs zwischenzeitlich ebenfalls eine ganze Reihe von Events durchgeführt undmit wechselnden Veranstaltungsorten (im Museum, im Archiv, im Orchester) experimentiert: “Bei KultUps geht es um mehr als ein reines Zusammentreffen von Twitterern. Wir zeigen bei unseren Tweetups, was es in Kultureinrichtungen Interessantes und Spannendes zu entdecken gibt. Wir öffnen den Twitterern die Türen der Kultureinrichtungen und den Kultureinrichtungen den Weg in den digitalen Raum, wo sie ihren Aktionsradius für die Dauer der Veranstaltung und darüber hinaus erweitern können”. Die Frankfurter KultUPs locken mittlerweile ein festes Publikum in die Veranstaltungen und haben stattgefunden in Städel, Liebieghaus, Schirn,Historischen Museum, Museum für Angewandte Kunst, Museum für Moderne Kunst und hr-Sinfonieorchester. Der nächste KultUP findet statt am 22.11. ab 18.30 im Stadtarchiv Speyer.
Hashtag: #kultup
Website: www.kultup.org
Flickr: http://www.flickr.com/photos/kultup/

Tweetups in Berlin: #museup

Tweetups in Berlin: #museup

Berlin
Im Oktober 2012 haben Jenny Fuchs (Museum140) und Hie Suk die Initiative “MuseUP” gegründet, um Tweetups “in unterschiedlichen, in kleinen und großen, bekannten und ungewöhnlichen Museen in und um Berlin (zu) organisieren. Alle drei bis vier Monate dürfen sich dann alte Twitter-Hasen, Neuankömmlinge, Blogger, Fotobegeisterte oder Museumsinteressierte auf ein Museumstweetup freuen”. Ein USP der Berliner Tweetups ist die parallele Ausführung in Deutsch und Englisch, wobei Museum140 die englische Seite von MuseUp geben und Timeline die Events auf deutsch begleitet. Der erste Event fand am 18. November im C/O Berlin in der Retrospektive zu Joel Sternfeld statt.
Hashtag: #museup
Website:  http://timel-ne.de/blog/2012/10/16/meetup-tweetup-museup/

Tweetups in DresdenDresden
Die Dresdner Tweetups werden als ein Veranstaltungsformat des dortigen stARTcamps gefahren und starten heute, am 14. November, mit einer Veranstaltung im Museum Körnigreich zur Ausstellung “WINTER. Eine Reise durch die dunkle Jahreszeit mit Aquatinten & Zeichnungen von Hans Körnig”. “Die Museumsmacher stellten sich die Fragen, wie Mitarbeiter einer konventionelle Kultureinrichtung in einen sinnstiftenden Austausch mit Nutzer/innen von Social-Media-Plattformen treten können. Welche Möglichkeiten sich durch die Sozialen Netzwerken für die Museumsarbeit eröffnen und wie dieser Austausch wahrgenommen wird, gilt es zu erforschen” (zitiert nach den Presseinformationen des Dresdner Formats).
Hashtag (zumindest für den ersten Tweetup): #TuHK
Website: http://www.startcamp-dresden.de/kultur-tweetup/
Twitterwall: http://www.startcamp-dresden.de/termin/tweetup-museum-kornigreich/twitterwall/



7 comments

  1. Die Begegnung spielt dabei wirklich eine wichtige Rolle! Konnte ich beim ersten Berliner #TweetUp im Jüdischen Museum @hie_suk nach vielen schönen Twitterdialogen kennen lernen, war es diesmal @juergenbuergin und @fondsKubi … aus solchen dann auch inhaltlich schönen Erlebnissen erwachsen oft sehr intensive und fruchtbringende Kontakte … DANKE @cogries für die tolle Zusammenstellung!

  2. Danke für diese Übersicht! Ab Dienstag könnte man Stuttgart in die Liste aufnehmen. Zusammen mit dem Theater Lokstoff! (@lokstoff) veranstalten wir (@ideenbote) ein Tweetup während einer Vorstellung. Hoffentlich kommen noch ein paar Kulturinstitutionen dazu.

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