"Stretch your view" – das Haus der Kunst weitet den Blick

0 19. März 2012 - Allgemein, München, Museen im Web, Museum 2.0

Zum 15. Februar 2012 hat das Haus der Kunst in München seine neue Website gelauncht. Diese folgt einer neuen Corporate Identity des Hauses, mit der Direktor Okwui Enwezor auch im Onlinebereich deutliche Akzente setzt.

www.hausderkunst.de

www.hausderkunst.de

Bei der Neugestaltung seiner visuellen Identität folgt das Haus der Kunst einem Konzept der “Elastizität” und formuliert Flexibilität, Spannkraft und Anpassungsfähigkeit als Leitgedanken. Zentrales Element ist eine veränderliche (dehnbare) Wortmarke mit unregelmäßigen Abständen zwischen den Buchstaben. Diese Wortmarke reagiert auf die starken klassizistischen Züge der Architektur des Hauses mit einem beweglichen Identitätssystem: “Die Fassade des Gebäudes ist alles andere als elastisch, und die (vermeintlich) stabile Startposition des lebendigen Logos spiegelt diese Starrheit. Sobald sich das Logo aber zu bewegen beginnt, löst sich die Starrheit auf: Nun symbolisiert es die flexible und abenteuerlustige Programmgestaltung des Haus der Kunst.” Das neue Design erinnert an ein Gummiband und steht somit für die dynamische Präsentation von zeitgenössischer Kunst in allen ihren Formaten.

Okwui Enwezor sieht in dieser “Beziehung zwischen Form und Inhalt – zwischen einer festen, unnachgiebigen Außenschale und der größten Elastizität im Inneren” die Arbeit des Hauses charakterisiert. Drei Prinzipien sind hierbei grundlegend:
1) Das Haus der Kunst wird als “Sherpa der Neugier” begriffen, der ein bunt gemischtes Publikum durch eine Vielzahl kultureller Bereiche geleitet.
2) Der Slogan “Stretch your view” lädt die Besucher ein, Neues zu entdecken, und repräsentiert gleichzeitig die Philosophie und den kuratorischen Prozess im Haus der Kunst.
3) Das Konzept eines “Containers” zielt darauf, verschiedene Kunstwerke und kulturelle Ausdrucksformen zusammenzuführen und zu Interaktionen anzuregen.

Die neue Website: Transparenz und Offenheit
Um die neue Strategie des Hauses auch im digitalen Raum begleiten zu können, wurde eine neue Website erarbeitet und diese in eine Onlinestrategie eingebettet.
Der Grundcharakter einer statischen, primär informierenden Website wurde gegen ein dynamisches Portalkonzept getauscht, das auf einer enormen (wachsenden) Contentfülle beruht und im eigenen Korpus umfangreiche Areas zu den Themengebieten “Forschen” und “Lernen” verfügbar macht. Im Wortlaut heißt es dazu von Okwui Enwezor: “(…) die Website (…) ist nicht nur ein Portal, das Zugang zu Informationen über die verschiedenen Angebote des Haus der Kunst gewährt, sondern auch eine Plattform für wichtige Dialoge und Diskussionen über die Bedeutung der zeitgenössischen Kunst in der Welt von heute. Alle Veränderungen zielen darauf ab, den Kontakt zu unseren Besuchern zu verbessern, und betonen die Transparenz und Offenheit unserer Institution (…)”.
Die neue Website dokumentiert nicht nur die Ausstellungen des Hauses seit dem Jahr 1946, sondern bietet auch Informationen über Architektur und Baugeschichte, den historischen Kontext und das 2005 eröffnete Historische Archiv. Schnittstellen zur Bilddatenbank und Forschungsplattform der “Großen Deutschen Kunstausstellungen” GDK Research eröffnen wissenschaftliche Recherchemöglichkeiten in die NS-Vergangenheit des Hauses. Über flankierende Portale in den sozialen Netzwerken Youtube, Soundcloud und ISSUU werden zudem erstmals Videos, Podcasts, Audioguides und PDF-Reader in die Website eingebunden und erlauben dem User eine unmittelbare Begegnung mit vielen Veranstaltungen, Aktivitäten und Angeboten des Hauses. Über ausgewählte Seiten werden dabei erstmals auch die Veranstaltungen des Haus der Kunst dokumentiert und multimedial abrufbar.
Inhaltlich wir in den nächsten Jahren insbesondere der Bereich “Forschen” auf der Seite wachsen, da das Ziel gesetzt ist, allen Interessierten Zugriff auf das Wissen zu ermöglichen, das in den vergangenen 75 Jahren vom Haus der Kunst erarbeitet wurde.

“Stretch your view”
www.hausderkunst.deZentraler Bestandteil des neuen Konzepts ist die Idee des “Stretch your view”, die über ein intelligentes Taggingsystem für jeden Inhalt immer auch flankierende Angebote und Informationen verfügbar macht. Tatsächlich existieren im Corpus der Website fast keine statischen Seiten mehr, – alle Informationen werden “on the fly” verbaut und über einen komplexen Algorithmus aufeinander abgestimmt. Wer nach einer Ausstellung recherchiert, erhält auf diese Weise immer auch Informationen über verwandte Inhalte im Kontext, – der Blick auf die aktuelle Ausstellung von Thomas Ruff bringt so etwa nicht nur die austellungsbezogenen Führungen, Vorträge und Publikationen, sondern eben auch gleich den Link auf vorausgegangene Ausstellung im Themenkreis “Fotografie” (wie Andreas Gursky, William Eggleston oder “Click Doubleclick”). Tatsächlich steckt hinter diesem Tagging nicht nur ein redaktioneller Prozess, sondern auch komplexe mathematische Formeln, die die entsprechenden Zusammenhänge automatisiert errechnen:

Tagging im Haus der Kunst

Tagging im Haus der Kunst

 

Über das Taggingsystem werden die Inhalte für jede Seite permanent neu arrangiert und gewichtet. Die digitale Umsetzung des “Stretch your view” bietet ein schier endloses (weil permanent wachsendes) Reservoir an Verweisen bzw. Kontextualisierungen und öffnet sich auch zum Publikum über einen exklusiven Partizipationsdialog. Dieser soll in zukünftigen Projekten und Themen des Hauses weiter ausgebaut und vertieft werden. “The Website is the second face of a museum” hat Okwui Enwezor kürzlich bei einer Ausstellungseröffnung gesagt, – ich finde, er ist fantastisch gestartet!

Die Website www.hausderkunst.de wurde in Zusammenarbeit mit der belgischen Agentur basedesign entwickelt und, soviel Eigenwerbung muß erlaubt sein, von Janusmedia realisiert.

 

2 KOmmentare

  • Philipp 29. März 2012 - 11:34 Reply

    Mir gefällt der Internetauftritt auch unheimlich gut! Und besonders passend finde ich das Ztat von Okwui Enwezor, dass das Museum mit der Internetseite ein zweites Gesicht hat. Es wäre schön mehr solche fantastischen Gesichter zu sehen!

  • Nachlese zum Tweetup im Haus der Kunst und Archiv Geiger am 17.09.12 : Kulturkonsorten 19. September 2012 - 15:01 Reply

    [...] machen heisst Kunst digital verfügbar machen”. Dieser Strategie war man bereits beim Relaunch der Homepage gefolgt und dieser Maxime ist nun auch eine verstäkte Ansprache des digitalen Publikums, [...]

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