Aufbruch zum "Museum der Zukunft": Tagung "Museen und Web 2.0" und stARTcamp in München

6. Februar 2012

Signal zum Aufbruch

“Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: »Wohin reitet der Herr?« »Ich weiß es nicht«, sagte ich, »nur weg von hier, nur weg von hier.”

Wie oft muss man, kann man, aufbrechen, bis man ans Ziel kommt? Kafka lässt seinen Protagonisten in der Parabel “Der Aufbruch” abrupt und plötzlich ins Unbekannte reisen. Als Zielort legt er das „Weg-von-hier“ fest. Zuversichtlich beginnt ein großes Wagnis, ein Lebensaufbruch, bei dem sich das Selbst erneuert.

Die Münchner Tagung “aufbruch. museen und web 2.0″ inszeniert keinen plötzlichen Aufbruch, bläst aber sicher die Trompete und versucht auch  zu einer “Selbst-Erneuerung” (der Kultur, mindestens im digitalen Raum) beizutragen. Sie folgt einer sehr erfolgreichen Veranstaltung aus dem Vorjahr und bettet sich in einen längst vollzogen Paradigmenwechsel, der ganze Gesellschaften und Kulturen im und über den digitalen Raum neue Horizonte eröffnet.

Im Nachgang der Veranstaltung im Vorjahr haben sich zahlreiche Kultureinrichtungen, nun auch in Bayern, mit den zahlreichen Themenstellungen um Transparenz, Authentizität und Partizipation beschäftigt und in teils deutlichen Ansätzen erste Erfahrungen in den sozialen Medien gemacht. Die Münchner Residenz hat einen Blog auf die Strecke gebracht, das Stadtmuseum Penzberg eine erste App gewagt und fast alle Museen (nicht nur in München) sich irgendwie in die großen Netzwerke und Plattformen (vor allem Facebook und Twitter) eingebracht. Ein Aufbruch ist also längst vollzogen, – aber wer da eigentlich wohin aufgebrochen ist, wie der Weg aussehen kann, welche Kompetenzen und Instrumente Mannschaft, Offiziere und Kapitän benötigen und was eigentlich die Ziele sind, scheint vielfach noch diffus.

Im Zentrum der Tagung stehen daher einige Fragen:

1. ) Markiert Social Media eine neue Herausforderung für Museen und Kultureinrichtungen?

2.) Bedeuten Facebook, Google+, Twitter, Youtube und Co. “nur” eine weitere Projektionsfläche für Marketing- und PR oder werden hier auch neue Kanäle für echte Kulturvermittlung eröffnet?

3.) Welche Chancen bietet der digitale Raum für die klassischen Museumsbereiche «Sammeln», «Ausstellen» und «Vermitteln»?

4.) Und worin bestehen die Risiken partizipativer Konzepte?

Im Unterschied zur Veranstaltung des Vorjahres versucht die Tagung in diesem Jahr gleichermaßen Resümee, Bestandsaufnahme und Ausblick. Dazu werden Experten geladen, die sich mit neuen Aspekten einer Forschungskultur, dem “wissenschaftlichen Net-Working und Bloggen” genauso widmen, wie sie partizipative Konzepte und den Einsatz von Social Media in großen und kleinen Museen beleuchten. Der Fokus liegt also nicht nur im Marketing, sondern in einer breiten Fundierung und versucht eine Kontur von Wissenschaft und Kultur in wechselseitiger Durchdringung im digitalen und analogen Raum.

Werkraum für digitale Handarbeit - das stARTcamp
Und um die Zielstellungen nicht nur vom Kopf her und im Theoretischen zu verankern, folgt dem ersten Tag der Veranstaltung ein zweiter, der quasi dem Herz und Fleisch gewidmet ist, – das stARTcamp München, ein im Selbstbekenntnis formulierter “Werkraum für digitale Handarbeit”: “Erfolgreich kommuniziert in digitalen Zeiten, wer die Plattformen und Tools kennt, wer interessante Geschichten zu erzählen hat und gut vernetzt ist. Gerade Kultureinrichtungen, Kulturschaffenden und Kulturvermittlern bieten sich enorme Chancen, im Web 2.0 erfolgreich zu sein”.

Das regionale Spin-off der europaweit renommierten stARTconference, die alljährlich in Duisburg stattfindet, ist eine Mischung aus BarCamp und Tagung. Das bedeutet: Die Teilnehmer bestimmen selbst, welche Vorträge sie hören, welche Debatten sie führen und welche Workshops sie durchführen möchten. Eine echte Veranstaltung aus der “Crowd” und für die “Crowd”.
Zu erwarten sind spannende Präsentationen aktueller Socialmedia-Konzepte und -Projekte aus allen Sparten der Kultur. Je nach Teilnahme (zahlreiche Themenvorschläge liegen aber bereits vor) werden dann ganz unterschiedliche Projektvorstellungen im Kontext von Web 1.0 und Web 2.0, sowie Produkt- und Anwendungspräsentationen, Best-Practice-Beispiele und Erfahrungsberichte zu hören sein.

Es dürfte also spannend und lebendig werden, im April in München:

20. April:    aufbruch. museen und web 2.0
21. April:    stARTcamp München 2012

Anmeldung zu den Veranstaltungen ab 05. März 2012 über die Webseiten der Tagung und des Blogs!

Weitere Informationen zur Tagung:
Auf dem Blog: http://aufbruch2null.blogspot.com/ 
und der Facebook-Seite der Tagung:
http://www.facebook.com/aufbruch.museen.2.0?ref=ts
sowie via Twitter (#mukomuc): https://twitter.com/mukomuc

Weitere Informationen zum Camp:
auf dem Blog des stARTcamp München 2012 http://scmuc.posterous.com
sowie via Twitter (#scmuc12): http://twitter.com/scmuc

stARTconference und weitere stARTcamps:
http://startconference.org
http://flavors.me/startcamp

Letting Go?

Letting Go?

Literaturtipp zu den Veranstaltungen:

Letting Go?
Sharing Historical Authority in a User-Generated World
Bill Adair (Editor); Benjamin Filene (Editor); Laura Koloski (Editor)
320 pp. / 6.00 x 9.00 / Sep, 2011
Paperback (978-0-9834803-0-3)
gibt’s auch via AMAZON

 



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