Das Metropolitan Museum in New York: "Re-orientation toward audience"

27. September 2011
The Metropolitan Museum in New York

The Metropolitan Museum in New York

Der derzeitige Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York, Thomas P. Campbell,  hat große Pläne sein Museum in das 21.Jahrhundert zu bringen. In mehreren Interviews für die New York Times machte er deutlich, daß Technik und Social Media dabei eine bedeutende Rolle spielen.

“Visitor Engagement”
So hat das Met nicht nur gerade seine Homepage relauncht und eigene Apps entwickelt, sondern will dem Publikum auch im eigenen Haus einen aktiven Umgang mit dem digitalen Angebot des Museums ermöglichen. Zu diesem Zweck wird derzeit das Wi-Fi ausgebaut, aber insbesondere auch der Bereich des “visitor engagement” neu bewertet. Tatsächlich haben wir für diesen Wirkungs-, Vermittlungs- und Interaktionsbereich eines Museums im deutschen Kontext womöglich noch nicht einmal eine Sprachregelung: “a social science aimed at trying to reach every patron, from the first-timer to the seasoned scholar”. Campell sieht die nächste Ziele des Metropolitan Museums weniger “physical”, als “philosophical and virtual”. Auf die Frage, worum es bei dieser Neuorientierung gehe, beschreibt er: “a change in the Met’s tone and public face, making it a more open and understandable museum, largely by thoroughly rethinking the way it uses technology. (…) It’s not sexy and glamorous, like building a new wing, but I think it’s a fundamental part of our responsibility to our audience.”

Das Team des Metropolitan Museum: "Connections"

Das Team des Metropolitan Museum: “Connections”

Transparenz und Authentizität
Dass es dem Museum dabei nicht nur um Information und Service, sondern auch um eine neue Transparenz und Authentizität geht, machen Onlinebereiche wie die “Connections” deutlich, die das komplette Team des Museums aus dem Elfenbeinturm holen und unmittelbar mit Sammlung und Publikum verbinden. Die Kuratoren, Pädagogen, Manager, Redakteure etc. werden dann auch nicht, wie im deutschen Kontext meist üblich, als Information über den Arbeitsapparat eines Museums gehandelt, sondern über sympathische und kompetente Statements, Objekte und Themen direkt mit Sammlungen und Museum verbinden.

Bonnie Pitman, Ellen Hirzy: Ignite the Power of Art: Advancing Visitor Engagement in Museum Experiences - Dallas Museum of Art Publications, Yale University Press 2011

Bonnie Pitman, Ellen Hirzy: Ignite the Power of Art: Advancing Visitor Engagement in Museum Experiences – Dallas Museum of Art Publications, Yale University Press 2011

Vom “Field of Dreams” zur “Power of Art”
140 Jahre lang war die Philosophie des Metropolitan Museum ein Mantra vom “Field of Dreams”: “wir sind das Met, folglich wird unser Publikum einfach kommen und erleuchtet”. Ausgehend von der Erkenntnis, dass ein Großteil des Publikums Kunst und Kultur eher ahnungslos begegnet (“great many of our visitors don’t know their way around and they don’t know much about art”) und im vergleichenden Blick auf die erfolgreichen Vermittlungsansätze im Brooklyn Museum oder Victoria&Albert in London, kommt Campbell zum Entschluß, für Technologie und Vermittlung neue Ansätze zu wählen. Daß es dabei durchaus auch um populäre Ansätze, ja womöglich sogar Berührungen mit dem Begriff “Unterhaltung” (“Entertainment”) geht, ist er sich im klaren. Insbesondere für die neue, junge, Generation des Museumspublikums will er damit das Haus öffnen und entmystifizieren: “technology, which the Met has embraced only slowly, is one of the best ways to bridge those kinds of gaps without sacrificing any of the seriousness or ambition of the museum’s exhibitions and collections”. Rückhalt gibt ihm dabei wohl auch die Direktorin des Dallas Art Museum, Bonnie Pitman, deren provokante (aber erfolgreiche) Vermittlungsansätze in Ihrem Buch “Ignite the Power of Art: Advancing Visitor Engagement in Museum Experiences” nachzulesen und im Erfolg Ihrer Arbeit im Museum nachzuvollziehen sind.

“Listen to the visitor”
Die Umorientierung auf das Publikum und die Neudefinition dessen Beitrags ist einer der wichtigsten Trends in den den vergangenen 15 Jahren, sagt Michael Govan, Direktor des Los Angeles County Museum of Art: “Bonnie represents the leading edge of this growing awareness that in order for museums to be sustainable in the future, they really have to listen to their visitors and take them into account in designing their programs.” Tatsächlich lesen sich Beschreibungen über die Vermittlungsansätze im Dallas Museum (am Beispiel der Ausstellung “The Lens of Impressionism: Photography and Painting Along the Normandy Coast, 1850-1874”) wie ein Zukunftsroman: “On WiFi-enabled mobile devices, visitors (…) can listen to an audio tour and view video features, see portraits of the artists and other works by them in the museum’s collections, and explore maps and photographs of locations in Normandy that are depicted in the paintings. The museum is also offering workshops on the cuisine of Normandy and art history lectures (…). People can really design their own experience, depending on what interests them”.

Update: Das Metropolitan Museum stellt auf Facebook sein Website vor: http://www.facebook.com/metmuseum. Spannend zu lesen, auch wegen der Leserkommentare, die sofort auf die Posts zur “new website” reagieren.



5 comments

  1. Vielen Dank Christian, dass du die Interviews hier zusammengefasst und vorgestellt hast.
    Zum Thema WLAN. Wie wünschenswert ein offenes WLAN in Museen (und auch anderen Kultureinrichutnge) wäre, ist mir erst in Venedig aufgefallen. In den deutschen Museen habe ich’s nie vermisst. In Venedig hab ich ganz oft nichts über einen Pavillon getwittert oder bei FB gepostet, weil mir die Roaming-Gebühren einfach zu hoch waren. Eine verpasste Chance für die Biennale, damit online mehr über sie gesprochen wird.

  2. Liebe Ulrike, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich kann Deinen Eindruck nur bestätigen: für die Biennale gab es dieses Jahr sogar eine ganze Reihe guter Apps, die spannende Informationen zu den Pavillons und Künstlern beinhalteten. Zudem waren sie wirklich hilfreich bei der Navigation in der Stadt selbst zur Auffindung der zuweilen doch recht versteckt gelegenen Länderpavillons. Alleine bedeutete das Fehlen eines freien städtischen Wi-Fi enorme Romainggebühren bei der Nutzung. So schnell konnte man die Apps gar nicht ausschalten, wie sie Kosten verursachten. Zuweilen frage ich mich dann auch, warum Museen teure Apps entwickeln lassen (die für aktuelle Infos dann einen Netzzugang voraussetzen), sich aber keine Gedanken darüber machen, dass das ausländische Publikum Unsummen fürs Roaming bezahlt. Da wären doch wenigsten kostenfreie Hotspots in den Museen wünschenswert?

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