Münchner Kultureinrichtungen auf Twitter und ein "Entschiedenes Ja!" der Bayerischen Staatsoper

8. Juli 2011

Eine kleine Übersicht Münchner Kultureinrichtungen mit offiziellen Accounts auf Twitter (Stand Juli 2011):

Der Facebook-Übersicht lasse ich im Folgenden eine kleine Übersicht Münchner Kultureinrichtungen mit offiziellen Twitter-Accounts folgen. Nicht aufgeführt werden Institutionen, die (soweit erkennbar) von engagierten, aber wohl nicht autorisierten, Fans geführt werden (Bsp.: @DeutschesMuseum). Auch die Initiativen und tempäreren Projekte (wie @filmfestmunich, @dokfest, @MusikNacht oder @urbanauten) will ich nicht mit in die Betrachtung einbeziehen, obwohl dort ganz sicher mehr Leben und Aktionismus zu finden ist, als bei vielen offiziellen Institutionen.
Auch diese Übersicht ist sicher nicht vollständig und stellt auch nicht diesen Anspruch, – gibt aber wohl trotzdem einen Eindruck des aktuellen Zustands. Für weitere Hinweise bin ich aber auch hier sehr dankbar!

  1. (Virtuelles) Museum für Moderne Kunst München: http://twitter.com/#!/MfMKMuenchen
    Follower: 17.274
  2. Pinakotheken: http://twitter.com/#!/pinakotheken_de
    Follower: 1.742 (letzter Post: 05.Mai 2010)
  3. Haus der Kunst: http://twitter.com/#!/haus_der_kunst
    Follower: 1.582
  4. Villa Stuck: http://twitter.com/#!/villastuck
    Follower: 1.744
  5. Bayerische Staatsbibliothek: http://twitter.com/#!/BSB_OEA
    Follower: 584
  6. BMW Welt / Museum: http://twitter.com/BMW_Welt
    Follower: 301
  7. Jüdisches Museum: http://twitter.com/#!/juedischemuseum
    Follower: 32

Theater und Bühne:

  1. Bayerische Staatsoper: http://twitter.com/#!/bay_staatsoper
    Follower: 1.627
  2. Münchner Volkstheater: http://twitter.com/#!/Volkstheater
    Follower: 558
  3. Gärtnerplatztheater: http://twitter.com/#!/Gaertnertheater
    Follower: 448
  4. Bayerisches Staatsballett: http://twitter.com/#!/staatsballett
    Follower: 350

Kaum zu fassen, München unterscheidet sich bei der Präsenz auf Twitter kaum von einem Dorf. Gerade elf Institutionen habe ich auf Twitter gefunden. Und diese vielfach nur mit Mühe und Zufall, da kaum eine Institution die entsprechende Präsenz (das gilt auch für Facebook) auf der eigenen Website sauber verlinkt oder sich mit den anderen Münchner Institutionen strukturiert vernetzt. Klar, auf Twitter gelten z.T. andere Regeln und sicher twittern auch zuweilen einzelne Personen, die dann quasi mit den Einrichtungen assoziiert werden, – trotzdem finde ich das Ergebnis erschreckend.
Angeführt wird das Ranking vom virtuellen “Museum für Moderne Kunst München“, der stolze 17.824 Follower zählt (auf Facebook aber nur 55 Freunden gefällt). Da es sich bei dem Museum nicht um eine reale Institution, sondern (nach Wikipedia) ein imaginäres Museum handelt,  würde ich dieses “ausser Konkurrenz” stellen. Die hohe Zahl der Follower mag auf die gut etablierte Existenz im digitalen Raum, eine dadurch bedingte optimale Vernetzung, Streuung und Historie zurückzuführen sein. Nicht auszuschliessen ist meines Erachtens aber auch, dass zahlreiche Follower hier einen offiziellen Account der Münchner Museen vermuten und (in Ermangelung eines entsprechenden Angebots eines realen Hauses) beim MfMK hängen bleiben.
Für die Bayerische Staatsbibliothek haben ich neben dem o.g. Account noch einen weiteren gefunden (@bsb_muenchen, 308 Follower), gehe aber davon aus, dass der “ofiziell” genannte Account (@BSB_OEA), der echte ist.

Ich halte es für traurig, dass über die spärliche Präsenz der Münchner Kultureinrichtungen auf Twitter eine Menge Kommunikationspotential verspielt wird. Tatsächlich finden sich hier aber auch reihenweise brach liegende Accounts mit reichlich Followerzahlen und Listeneinträgen, die offensichtlich nicht mehr bespielt werden. Prototypisch dafür ein schönes, viel diskutuiertes Projekt der Pinakotheken aus dem Jahr 2010:

Rubens twittert(e)
Der Klassiker unter den Münchner Kulturtwitterern ist wohl @rubens_in_muc, der Twitter-Account zur Ausstellung von Rubens in der Alten Pinakothek: “Hier twittere ich, Peter Paul Rubens. Meine Werke galten schon immer als bedeutend und finden heute noch Bewunderer, wie in der Alten Pinakothek in München.”
Der Account wurde von 23.10.2009 bis 08.02.2010 geführt und mit  132 Tweets bespielt. Offiziell sind für diesen Account heute (08.07.2011) noch 238 Follower gezählt. In der Presseerklärung hies es damals “(…) Zur Ausstellung »Rubens im Wettstreit mit den Alten Meistern. Vorbild und Neuerfindung« können Besucher und Interessierte nun über Twitter (http://twitter.com/rubens_in_muc) mehr über Peter Paul Rubens, einen der bedeutendsten und vielseitigsten Maler des Barock, sowie über die aktuelle Ausstellung in der Alten Pinakothek erfahren. In täglich mehren Tweets schickt Rubens Wissenswertes und Anekdotisches aus seinem Leben ins World Wide Web. Bekannte und weniger bekannte biographische Meilensteine des Künstlers werden in Kurzmitteilungen über die Twitter-Plattform kommuniziert. Gleichzeitig startet im Rahmen des Social Media Projekts der Pinakotheken-Twitter auf der Seite http://twitter.com/pinakotheken_de mit aktuellen Hinweisen und Informationen zu den Ausstellungen im Kunstareal sowie das neue Online-Magazin der Pinakotheken und ihrer Sammlungen auf http://magazin.pinakothek.de. Dort finden Interessierte weiterführende Texte zu den aktuellen Ausstellungen: Begleitend zu den Twittermitteilungen von Rubens werden beispielsweise vertiefende Informationen zu verschiedenen Themen angeboten. Dazu zählen eher persönliche wie seine Ehe, seine Tätigkeit als Diplomat oder sein Verhältnis zu den Habsburgern, aber auch solche, die sich auf seine künstlerische Tätigkeit beziehen, wie die Kapitel zur Maltechnik, der Funktion seiner Kopien oder zur Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Die Texte wurden eigens für dieses Projekt erarbeitet (…)”.
Twitteraccount und Blog des Rubens-Projekts können zwar noch aufgerufen werden, aktiv genutzt werden sie aber nicht mehr. Der in der Presseerklärung benannte Twitteraccount der Pinakotheken schwebt heute ebenfalls leblos im digitalen Raum.

Mustergültig:
die Bayerische Staatsoper auf Twitter

Dem vorbildlichsten (nicht nur lokalen) Web 2.0-Aktivisten und Münchner Kultur-Twitterer, der Bayerischen Staatsoper (@bay_staatsoper), kann man bei der Arbeit über die Schultur sehen: 2010 hat die Oper auf der stART-Conference einen Vortrag über das eigene Web 2.0-Konzept gehalten. Dieser macht die Wertigkeit und den Aufwand deutlich, den man für Twitter (und die anderen Web 2.0-Aktivitäten) ansetzt.

Die Staatsoper, in persona die Internetredaktion mit Johannes Lachermeier, hat mir aktuell dazu einige Fragen beantwortet. Tausend Dank für diese freundliche und unkomplizierte Kommunikation!

Frage: Wer twittert in der Staatsoper (wie viele Personen und über welche Accounts)?
Antwort: Für die Bayerische Staatsoper nur ich (Anm: d.i. Johannes Lachermeier), für das Bayerische Staatsballett (das institutionell unabhängig ist und hier dann wahrscheinlich auch keine Rolle spielt) meine Kollegin Susanne Ullmann.

Frage: Gibt es einen festen Rhythmus (in welchem Rhythmus wird getwittert)? Auf dem Vortrag der stART-Konferenz sprachen Sie von 2-3 Tweets pro Tag, stimmt das noch?
Antwort: Das stimmt noch. Allerdings gibt das nur einen ungefähren Durchschnittswert an, manchmal gibt’s einfach nichts zu twittern oder ich komme nicht dazu, an anderen Tagen erscheinen 10 Tweets.

Frage: Welche Bedeutung hat Twitter im Marketing-Mix der Oper? Gibt es ein messbares „Echo“ aus der Stadt auf Ihre Tweets?
Antwort: Tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass unsere Follower eher aus einem internationalen Kontext stammen. Echo aus der Stadt gibt es aber freilich auch, je nach Thema. Innerhalb unseres Online-Kommunikationskonzepts funktioniert Twitter eher als ergänzendes Medium das (wie ein Newsfeed) im Idealfall alle Neuigkeiten abbildet – egal ob deutsch- oder englischsprachige aktuelle Meldungen von der Homepage, Facebookposts oder neue Blogbeiträge. Aber freilich ist es noch mehr als das: Es ist auch wichtiges Medium zur Kommunikation mit unseren Followern – und gerade hier erreichen wir eine Vielzahl Operninteressierter aus aller Welt, die noch nicht zwangsläufig eine enge Bindung an unser Haus haben.

Frage: Nutzen Sie bereits Konzepte für ein Transmedia-Stortelling?
Antwort: Nein.

Frage: Viele Institutionen fürchten sich vor dem Dialog mit dem Publikum. Sie haben Angst vor den Aufwänden, die entstehen, wenn man auf Tweets und Retweets antworten muss. Wie schätzen Sie die Aufwände ein, die hier tatsächlich entstehen?
Antwort: Im Verhältnis zu unserer Facebook-Seite oder zu unserem Forum (https://secure.staatsoper.de/data/forum/mcp.php?i=main) ist der Aufwand zu antworten auf Twitter sehr gering. Im Gesamtkontext der dialogisch funktionierenden Online-Plattformen also fast zu vernachlässigen.

Frage: Würden Sie anderen Kultureinrichtungen dazu raten, Twitter zu nutzen?
Antwort: Entschieden ja. Auch wenn die Wahrnehmung von Twitter im deutschsprachigen Raum nach wie vor die eines Expertenmediums für Werber und Kommunikationsleute ist, scheint es mir gerade vor internationalem Hintergrund von Relevanz.

Weitere, laufend aktualisierte, Statistiken zur Twitter-Nutzung bei Kultureinrichtungen:

http://www.visitatio.de/

http://wiki.museum140.com/index.php?title=Germany (Übersicht twitternder Museen in Deutschland)

 



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