Augmented Reality im Museum – der siebte Stock im MoMA

11. Juli 2011

Um es gleich zu sagen, – das MoMA hat nur sechs Stockwerke. Der 7th Floor war eine rein virtuelle Ebene, die sich im Kontext der Aktion “Augmented Reality art invasion” den Besuchern des Museums eröffnete, die das Haus mit Ihrem Smartphone nach der “versteckten” Kunst durchstöberten.
Im Kontext des conflux psychogeoraphy festival hatten Sander Veenhof and Mark Skwarek im Oktober 2010 eine Guerrilla-Aktion als Augmented Reality Intervention im MoMA initiiert, die (ohne offiziellen Auftrag) den digitalen Raum im Museum “besetzte” und u.a. im 7ten Stockwerk des Hauses einen Skulpturengarten präsentierte. Die normalen, und nicht mit Smartphone (bzw. einer speziellen App: “layar augmented reality browser”) ausgerüsteten Besucher konnten die Ausstellung nicht sehen, – allen anderen eröffneten sich zahlreiche zusätzliche, wilde, Kunstwerke im geographischen Kontext des Hauses.

AR-Kunstwerk: “Banksy im MoMA”

Die Initiatoren der Ausstellung hatten über eine Website zur Beteiligung an der Veranstaltung aufgerufen und Künstlern den Upload von zwei- und dreidimensionalen Arbeiten (max. 3 Werke) ermöglicht. Knapp 40 Künstler wurden für die Ausstellung dann zugelassen und ihre ephemeren Arbeiten über die Schauräume des Hauses verteilt. Eduard Poter beschieb seinen Eindruck in der New York  Times:  “(…) Just the other day, my iPhone showed me an exhibition at the Museum of Modern Art that most people around me didn’t know was there. Looking at the galleries through the phone’s camera, I saw a chunk of the Berlin Wall floating before me. There were faces suspended in midair in the museum’s immense atrium. Over the sculpture garden hovered a path through the desert along which illegal immigrants often die (…)”.

Die Aktion ist sicher nicht nur per se eine tolle Erfahrung gewesen und allein die zahlreichen Videos im Netz veranschaulichen den Spaß, den die Besucher bei der Spurensuche und Entdeckung der Kunstwerke (darunter auch eine AR-Projektion des englischen Street Art Künstlers Banksy) hatten. Über diesen Erlebniswert hinaus eröffnet diese Aktion aber auch einige spannende Fragen zu den Möglichkeiten und Rechten des digitalen Raums und der Rolle der Museen als kulturelle Autoriäten. Wieder könnte man hier Peter Weibel zitieren: “(…) Die Museen werden zu Plattformen der Kommunikation und Interaktion, zeitlich und örtlich ungebunden, jenseits der Öffnungszeiten und jenseits ihrer Mauern (…)”. Vor dem Hintergrund, dass der digitale Raum eines Museums ebenfalls und unzweifelhaft ein Kulturaum ist, der zunehmend entgrenzt wird, und zudem von aussen via Augmented Reality relativ einfach besetzt werden kann, hat das Thema in jedem Fall Brisanz.

Tatsächlich bietet AR spannende Kontextualisierungsmöglichkeiten für Objekte oder Exponate, findet in Deutschland aber leider bislang nur ansatzweise Verwendung. Ursachen liegen wohl in der Angst vor einer Konkurrenz zwischen Real und Digital, finanziellen Aspekten und der Unerfahrenheit vieler Kuratoren und Ausstellungsmacher, was (nicht nur diese) Technolgie angeht. Wenigstens für den erstgenannten Aspekt könnte aber auch ein Grundsatz gelten, der vor Jahren den mobilen (Audio-)Museumsführern den Weg ins Museum ebnete: “Die digitale Kontextualisierung führt zum Objekt hin, – und nicht davon weg”.

Die Protagonisten aus dem MoMA sammeln einstweilen weitere Gesinnungsgenossen um sich und haben ein eigenes Manifest mit einem Leitspruch aus dem Disney-Film TRON publiziert: “All that is Visible must grow beyond itself and extend into the Realm of the Invisible” (Tron, 1982) . Zudem wurden weitere Aktionen angekündigt und eine AR-Intervention für die Biennale ausgelobt : “(…) The international cyberartist group Manifest.AR wishes to inform the general public, the President and the Curator of the 54th edition of the Venice Biennial that we are extending the Giardini with extra pavilions constructed in the new medium of Augmented Reality (AR) – and that some of these works have also leaked out into the public space of Piazza San Marco.(…)” (zitiert nach Manifest.AR Venice Biennial 2011 Augmented Reality Intervention)

 

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