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Iliou melathron

Blog von Christian Gries / ISSN 2197-7747

Data Literacy im Museum. Über Handlungsfelder in der digitalen Strategie

Data Literacy im Museum. Über Handlungsfelder in der digitalen Strategie

Handlungsfelder der Digitalisierung im Kulturbetrieb

Bei vielen Diskussionen in Kulturbetrieben zur Entwicklung von digitalen Strategien bin ich immer wieder an einen Punkt gekommen, der deutlich machte, dass Idee und Perspektive der Digitalisierung oftmals von ganz subjektiven Wahrnehmungen geprägt (und entschieden) werden. Auf der Basis einer, gerne in sehr persönlichen, digitalen Erfahrungen „gereiften“ Erbmasse werden strategische Entscheidungen gefällt, die das eigene Haus für eine digitale Zukunft vorbereiten – oder eben nicht.

Data Literacy

Während wir in unserer Gesellschaft längst über „Data Literacy“ nachdenken (und entsprechende Impulse in die Hochschulbetriebe hineinwachsen oder über treffliche Plattformen ausgiebig nachgelesen werden kann), ist das in vielen Kultureinrichtungen noch ein Fremdwort. Dabei handelt es sich bei „Data Literacy“ um eine grundlegende Kompetenz, um in der digitalen Welt in Wissenschaft, Arbeit und Gesellschaft teilhaben zu können: „Data literacy ist die Fähigkeit, planvoll mit Daten umzugehen und sie im jeweiligen Kontext bewusst einsetzen und hinterfragen zu können. Dazu gehört: Daten zu erfassen, erkunden, managen, kuratieren, analysieren, visualisieren, interpretieren, kontextualisieren, beurteilen und anzuwenden. Data literacy gestaltet die Digitalisierung und die globale Wissensgesellschaft in allen Sektoren und Disziplinen.

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Data Literacy ist aber sicher auch (der Versuch) eine(r) Reaktion auf die rasanten technologischen Entwicklungen und ihre sozialen und politischen Auswirkungen. Dabei spielen menschliche Fertigkeiten, wie etwa die Fähigkeit zur kritischen Hinterfragung von Daten, eine wichtige Rolle. Ich meine, dass nicht nur jeder Wissenschaftler über entsprechende Kompetenzen verfügen sollte, sondern auch jeder strategisch agierende Mitarbeiter im Museum, ja sogar die Institutionen selbst (was dann ein Spiegel der eigenen eCulture wäre). Die Konturen dieser Kompetenzen in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern sind sicher divers, – aber eben auch grundlegend. Beim Herausgeber des „International Journal for Digital Art History“, dem Münchner Kunsthistoriker Harald Klinke, liest sich das im Blick auf die digitale Kunstgeschichte wie folgt: „Rasche Fortschritte sind in der digitalen Kunstgeschichte nur dann möglich, wenn genügend kompetente Wissenschaftler/innen in diesem Bereich vorhanden sind. In der Ausbildung zukünftiger, mit digitalen Methoden arbeitender Kunsthistoriker müssen Inhalte vermittelt werden, die bisher nicht zum klassischen Studium der Kunstgeschichte gehörten, für die digitale Kunstgeschichte aber essenziell sind„. Data Literacy benötigen wir im Museum aber auch in der Dokumentation (da möchte man sagen, ist sie auch schon länger „zuhause“), aber auch jenseits des reinen Datenmanagements, wenigstens als eine Art Entscheidungs- und Lenkungskompetenz in digitalen Fragestellungen. Ob es die Idee des „erweiterten Museums“, die Ausdehnung des Ausstellungsraumes ins Netz, eine strategische Partnerschaft, eine Microsite, Datenbank oder nur ein Hashtag ist, – wir brauchen mehr digitale Kompetenz und Professionalität in der Organisation, Steuerung und Lenkung der Kultureinrichtungen. Mitunter bedeutet eine digitale Strategie auch einfach nur eine qualifizierte und fundierte Entscheidung wann es zielführender ist Dinge analog zu tun. Um eine solche Entscheidung aber treffen zu können sollte man die Landschaft kennen. Im Ausland hat der Umgang mit Daten längst in vielen Arbeitsbereichen Eingang gefunden und scheint unter dem Fokus „Open Access“ nun auch die Provenienzforschung mit neuen Instrumenten auszustatten: „Provenance research has always been plagued by difficult access to information, but we may be at a turning point. More institutions are digitizing their archival records and making them available online. More provenance researchers are sharing their once closely held knowledge. More information is being made accessible about artworks looted in the Nazi era, enabling more artworks to be identified and restituted. And programs such as PREP are building research skills and resources throughout the museum field.

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Letztlich auch vor einem solchen Hintergrund müssen wir uns in den Institutionen über die Handlungsfelder der Digitalisierung klar werden und Prozesse initiieren, die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit befördern – nicht behindern.
Handlungsfelder der Digitalstrategie im Museum

 

Titelbild: El Greco, The Assumption of the Virgin, 1577–79, Art Institute Chicago, CC0-Lizenz, URL: https://www.artic.edu/artworks/87479/the-assumption-of-the-virgin

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